Sie weist Zusammenhänge mit der Kultur des Pannonischen Raumes auf. Vom Endedes 14. Jahrhunderts an begann aus den ukrainischen und siebenbürgischen Karpa-ten, vorerst in die Ostslowakei, ein neues System der Schafhaltung vorzudringen, dasvon Hirten fremder ethnischer Herkunft, in Urkunden des 14. bis 17. JahrhundertsWalachi, Rutheni oder Rasciani genannt, verbreitet wurde. Dieses System, als kar-patische Almwirtschaft bekannt, ist genetisch mit der Schafzucht der Balkanhalb-insel verbunden; vom 15. bis 17. Jahrhundert verbreitete sie sich allmählich in vielegebirgreiche Gegenden der Slowakei bis nach Ostmähren( Mährische Walachei), wodiese Kolonisation nach walachischem Recht von der slowakischen Bevölkerungdurchgeführt wurde.
Diese zwei unterschiedlichen Schafzuchtsysteme werden in mehreren Kapitelnbehandelt: Traditionelle Methoden der Schafzucht und Schafherdenvermehrung,Unterbringung und Fütterung der Schafe im Winter, Krankheiten und ihre Heilung,Organisationsformen des Weidens, die Schafhirten, Almbauten, Aufenthalt derSchäfer auf den Sommeralmen und wirtschaftlicher Nutzen der Schafe.
Im Vorwort behandelt der Autor die Geschichte der Erforschung der Schafzucht,wobei er sich auch mit früheren, romantisch orientierten Arbeiten, die sich nur ein-seitig auf attraktive Erscheinungen konzentrierten, auseinandersetzt. Mit systemati-schen und komplexen Studien begann man erst in den fünfziger Jahren dieses Jahr-hunderts. Während dieser Forschungen, die im Rahmen verschiedenster Projektedurchgeführt worden sind, hat der Autor rund 600 Informanten und Schafzüchter in400 Ortschaften befragt. An diesen Befragungen nahmen auch Volkskundestuden-ten aktiv teil. Vergleichende Angaben gewann er bei durchgeführten Forschungen inanderen Ländern des Karpatenraumes( Polen, Ukraine, Rumänien) sowie auf derBalkanhalbinsel( Bulgarien, Serbien, Makedonien), in Ungarn und in den sloweni-schen Alpen.
Daß die Hirtenkultur ein zentrales Thema darstellt, beweist die Tatsache, daß sieauch im Rahmen der„ Internationalen Kommission für das Studium der Volkskulturin den Karpaten und auf dem Balkan" erforscht wird. Derzeit bereitet ein internatio-nales Autorenteam, das sich aus Forschern der ČSSR( J. Podolák, J. Štika),Ungarns( B. Gunda u. a.), Polens, der UdSSR, Bulgariens, Rumäniens und Jugosla-wiens zusammensetzt, eine Synthese über„ Hirtentum im Gebiet der Karpaten unddes Balkans" vor- näheres siehe in: Slovenský národopis 31, 1983, Nr. 3-4,S. 622-623.
Das Buch von J. Podolák über die„, Traditionelle Schafzucht in der Slowakei" bil-det für das geplante Übersichtswerk eine wichtige Grundlage. Es stellt aber auch fürdie heutigen Schafzüchter, die interessanterweise in den letzten Jahren wiederzunahmen, eine nützliche Hilfe dar.
Vera Mayer
Nicolae Dunăre, Civilizaţie Tradiţională Românească în curbura car-paticä nordică. Bucureşti, Editura Ştiinţifică şi Enciclopedică, 1984, 311 Sei-ten, 44 Abb.
Der erfahrene rumänische Volkskundler Dunăre fügt seinen vielen Studien hiereinen weiteren Band hinzu, der Untersuchungen eines Gebiets im nördlichen Karpa-tenbogen gewidmet ist. Man merkt, daß hier aus einem umfassenden Forschungs-
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