Volume 
88 (1985) / N.S. 39
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

anzutreffen ist. Eine große Rolle spielen die verzierten Schmiedestücke bei denKultgegenständen( z. B. Weg-, Kapellen- und Grabkreuz). Unter den kirchlichenDekorationselementen sind auch solche anzutreffen, die nicht an die religiösen Sym-bole der Christen erinnern( Halbmond, strahlenförmige Sonnenscheibe, Vogel).Auffallend ist, daß auch das Sech verziert wurde. Früher trugen die Schmiede ihreWaren von einem Jahrmarkt zum andern. Heute beschränkt sich ihre Arbeit vorallem auf das Beschlagen von Pferden und die Reparaturen von Landwirtschafts-geräten. Dennoch hat die Schmiedearbeit in den vergangenen Jahrzehnten eine neueBlüte erlebt. Für moderne Wohnungen oder Touristen werden- an Hand der tradi-tionellen Formen verschiedene Gegenstände hergestellt. Es darf nicht verleugnetwerden, daß die althergebrachten Produkte aus den Dorfschmieden( wie Beleuch-tungsgeräte, Gefäße zum Kochen und Backen, Windrichtungsanzeiger) die Wirkungder städtischen Zunft und des westeuropäischen Schmiedehandwerks bewahrthaben. In Nordostpolen lassen die verzierten Eisenkreuze an die litauischen undweißrussischen Kapellen- und Wegkreuze erinnern. Die Spuren der südpolnischenDekoration zum Wagenbeschlagen können über die Slowakei hinweg bis nach Sie-benbürgen verfolgt werden.

-

Dieses so musterhaft illustrierte Buch ist nicht nur für die Forscher von Volkskunstund Eisenarbeiten unentbehrlich, sondern Reinfuss' Arbeit hilft auch der Museolo-gie in bedeutendem Maße. Ganz zu schweigen davon, daß er mit seinen wichtigenFeststellungen dazu beiträgt, die mittel- und osteuropäischen Kulturräume zu erken-nen. Es sei hier nur mit einem Satz erwähnt, daß das Buch von R. Reinfuss über diepolnischen Bauernmöbel( Meblarstwo ludowe w Polsce, Wroclaw, 1977) von ähnlichgroßer Bedeutung ist. Die europäischen Volkskundler sollten aber nicht allein aufdiese beiden Bücher von Roman Reinfuss, sondern auf seine gesamte wissenschaftli-che Tätigkeit aufmerksam gemacht werden.

Béla Gunda

Ján Podolák, Tradičné ovčiarstvo na Slovensku( Traditionelle Schafzucht inder Slowakei). Bratislava, Verlag Veda, 1982, 232 Seiten, 86 Abb., deutsche undrussische Zusammenfassung.

Der Autor beschäftigt sich schon seit 30 Jahren mit dem historisch- ethnographi-schen Studium der Landwirtschaft in der Slowakei, seit den sechziger Jahren konzen-triert er sich auf die Schafzucht. Teilergebnisse hat J. Podolák in einer Reihe von Bei-trägen und Artikeln publiziert. Diese Monographie, zu der er großteils auch dasFotomaterial lieferte, ist ein gewisser Höhepunkt in der bisherigen Arbeit diesesfleißigen Forschers.

Als Ziel setzte sich der Autor, an Hand des ethnographischen, im Terrain gesam-melten Materials und an Hand schriftlicher Quellen, die Herkunft der Schafzucht,die Entwicklung und den Einfluß dieser Form wirtschaftlicher Tätigkeit auf die Aus-formung der Volkskultur in der Slowakei zu beleuchten. Auf dem slowakischenGebiet entfalteten sich im Laufe der Jahrhunderte nämlich zwei Regionen mit unter-schiedlichem System der Schafzucht, die auch eine deutlich unterscheidbare Volks-kultur aufweisen. In den Tieflandgebieten, in denen die Schafzucht schon im Groß-mährischen Reich" des 9. Jahrhunderts ein organischer Bestandteil der Landwirt-schaft war, entwickelte sich die Kultur der Schäfer als Teil der bäuerlichen Kultur.

98