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88 (1985) / N.S. 39
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Roman Reinfuss, Ludowe kowalstwo artystyczne w Polsce( Das volkstüm-liche Kunstschmiedehandwerk in Polen). Veröffentlichung der PolnischenAkademie der Wissenschaften, Wroclaw 1983, 288 Seiten, 131 Zeichnungen und246 Fotografien.

Ein neuerliches wertvolles Dokument der polnischen volkskundlichen Forschungstellt das Buch von R. Reinfuss dar, in welchem er das volkstümliche Kunstschmie-dehandwerk vorstellt. Der Verfasser liefert hier einen Überblick über dieGeschichte des kleinen Eisenhammerhandwerks und des Schmiedehandwerks inPolen. In den auf der Grundlage des deutschen Rechts gegründeten Dörfern oder indenen, welchen diese Rechte übertragen wurden, waren die vom Schultheiss be-auftragten Schmiede tätig. Zigeunerschmiede Glossary ::: show glossary-entry  Zigeunerschmiede arbeiteten in den südlichen GegendenPolens.

Als lehrreiches Zitat mag folgende Feststellung des Verfassers dienen: Auf demGebiet der künstlerischen Erzeugnisse war das städtische Handwerk führend. Alsgegen Ende des 18. Jahrhunderts die Aufteilung des polnischen Staates zwischenPreußen, Rußland und Österreich erfolgte, wurden die Dorfschmiede in den vonPreußen und Rußland eingenommenen Gebieten durch die Zunftorganisationerfaßt, einschließlich des zunftmäßigen Bildungssystems und der Pflicht der Gesel-lenwanderschaft. In dem von Österreich besetzten Teil herrschte in dieser Hinsichtgroße Freiheit, die sogar Autodidakten die Ausübung des Berufes ermöglichte"( S. 272). Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges können drei Gruppen von Dorf-schmieden unterschieden werden: der individuelle Bauernschmied, der Gemeinde-schmied und der Hofschmied. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts versuchten die Bauern,wo sie nur konnten, Eisen durch Holz zu ersetzen. Erst von der Zeit an tauchen zier-reiche Eisenbeschläge an Türen, Wagen und Schlitten auf. Diese waren auch einAusdruck für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation der Bauern. Diekünstlerischen Fähigkeiten waren von bedeutender Wirkungskraft im Konkurrenz-kampf zwischen den Schmieden. Die Schmiede besorgten sich ihr Eisen bis zumEnde des 19. Jahrhunderts noch in kleinen Hüttenbetrieben und Eisenhämmern. Eswurden verschiedene Sorten des Rohstoffs unterschieden( weiches Eisen, hartesEisen), die wiederum zur Anfertigung unterschiedlicher Geräte dienten. Der Ver-fasser stellt die Einrichtung der Schmiedewerkstätten bis ins Detail vor. Es mußbemerkt werden, daß die Einrichtung der Gemeinde- und Hofschmiede stets weiterentwickelt war. Oft stand auch noch die Frau des Schmieds am Amboß. Eine alteOffenbarung der Schmiedekunst besteht darin, daß die Meister darum bemühtwaren, mit dekorativer Formgebung zu arbeiten. Sie verzierten die Oberfläche mei-stens durch Ausstanzen und Stempelornamente. Einzelne Schmiede verfügten übermehr als dreißig Stempel. Seltener kam die konvexe Oberflächenmodellierung vor.Den größten Teil der Motive bildeten geometrische Ornamente, pflanzliche und tie-rische( z. B. Schlange, Pferd) waren seltener. Menschliche Gestalten sind zumeistauf den Schildern der Türklinken, um Schlüssellöcher und auf Wetterfahnen zusehen. Die auf Türen anzutreffenden Menschenfiguren sind wahrscheinlich Erinne-rungen an den Türwächter( vgl. S. Erixon, Türwächter und Prangerfiguren, Folk-Liv, 3. 1939, S. 44-88). Auf den Türbändern fallen die gotischen, Renaissance- undBarockmuster auf. Sehr genau stellt R. Reinfuss die verzierten Produkte derSchmiede vor, wie Klinkenschilder, Schlösser, Küchen- und Landwirtschaftsgeräte,Schlitten- und Wagenbeschläge usw. Besonders reichverzierte Wagenbeschlägekommen in Südpolen vor. Häufig ist hier die Schlangenform, die auch in Ungarn

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