Im besonderen gilt dies auch für den sprachwissenschaftlichen Teil, der sich ein-leitend mit der volkssprachlichen Heteronymik der Kornfege und mit deren Situie-rung im deutschen Sprachraum befaßt. Da es sich dabei um ein erst seit dem Hoch-barock aufkommendes bäuerliches Arbeitsgerät handelt, ist auch dieser Aspektvolkskundlich zweifellos wesentlich und weiterführend, besonders wenn man etwavon den romanischen Sprachen her sieht, daß hier onomasiologisch funktionelle wieauch formale und vor allem lautmalende Motive für die Benennung solcher Maschi-nen maßgebend waren. U. Meiners bietet dazu in seinem Buch zu jeder dieserBezeichnungen Wortuntersuchungen und Verbreitungshinweise( es sind ihrer imDeutschen nicht weniger als 36) und prüft diese abschließend nach der jeweiligenBezeichnungsmotivation und deren Wortbildung. Lassen sich hinsichtlich der pri-mären Bezeichnungen schon 9 Gruppen von Benennungsmotiven herausstellen, soist der Bezeichnungsbestand nach der Wortbildung nicht minder vielschichtig, so daßsich aus den beigefügten Karten im ganzen ein ungemein vielfältiges Sprachbild undSachbild von unserem Gegenstand abzeichnet, das auch den Verfasser am Schlußseines Buches zu neuen Aufgaben hindrängt, aus denen wir nur drei Kernsätzezitieren möchten: 1.„ Trotz Hinzuziehung der Belege aus verschiedenen Wörter-büchern behielt die onomasiologische Wortkarte ihren fragmentarischen Charak-ter. 2.„ Im sachkundlichen Bereich erscheint eine differenziertere Erfassung desObjektbestandes erforderlich." 3.„ Eine ebenso dringliche Forderung bleibt diesystematische Aufarbeitung der ländlichen Inventare"( S. 433 f.)."
Oskar Moser
Peter Joerißen, Cornelia Will( Bearb.), Die Lebenstreppe. Bilder dermenschlichen Lebensalter. Katalog einer Ausstellung des Landschaftsver-bandes Rheinland, Rheinisches Museumsamt, Braunweiler, in Zusammenarbeitmit dem Städtischen Museum Koekkoek, Kleve(= Schriften des RheinischenMuseumsamtes Nr. 23). Köln, Rheinland- Verlag, o. J.( 1983), 187 Seiten. Abb.In einer Zeit der Verschiebung und Verwischung der Altersgrenzen durch ge-steigerte Lebenserwartung, Auflösung althergebrachter Ordnungen und Rollen-bilder, aber auch durch gesteigerte Erwartungen und Anforderungen versuchenAusstellung und vorliegender Katalog, sich mit dem Problem der Lebensstufen anHand des verbreiteten Motivs der Lebenstreppe auseinanderzusetzen. Die Ex-ponate umfassen Druckgrafiken, Bilderbogen usw. aus einem Zeitraum von etwa400 Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart( etwa Timm Ulrichs, Past- Present-Future. Fotoleinwände, 1970) und wollen neben dem typologischen Überblick auchzeigen, wie und auf welche Weise ein Motiv verbreitet und in propagandistischerWeise verwendet wurde. Der Katalogbeitrag dazu stammt von Rudolf Schenda( ,, Die Alterstreppe Geschichte einer Popularisierung“, 11-24); die von ihmverwendete Literatur dient auch als Grundlage der Auswahlbibliographie imAnhang. Einen historischen Überblick bieten Peter Joerißen(„ Lebenstreppe undLebensalterspiel im 16. Jahrhundert“, 25-38, und„ Das Lebensalter des MenschenBildprogramm und Bildform im Jahrhundert der Reformation", 39-60) undCornelia Will( ,, Was ist des Lebens Sinn?- Lebensalterdarstellungen im 19. Jahr-hundert", 73-92), während sich Hubert Wanders mit dem Motiv der Tiere( ,, Dasspringende Böckchen Zum Tierbild in den dekadischen Lebensalterdarstel-
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