Volume 
88 (1985) / N.S. 39
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seinem besonders reichen und vielseitigen Inhalt an und sollte auch auf dem Konti-nent nicht übersehen werden. Es wird anläßlich des 30jährigen Bestehens derV. A. G. mit einer lesenswerten prinzipiellen Diskussion über Aktivitäten undZukunftspläne dieser freien Arbeitsgemeinschaft eingeleitet, an der sich einigebekannte englische Forscher beteiligen( S. 3-11). Von Interesse ist ferner( in Fort-setzung von Heft 14) ein Meinungsaustausch über die Interpretation des Begriffes,, vernacular architecture" in Gegenüberstellung zur polite architecture" unterBedachtnahme auf die Unerläßlichkeit diachronischer Betrachtungsweisen( S. 12-14), wobei die Grundgemeinsamkeiten in beiden Fällen sowohl bei Bau-herren wie bei Bauausführenden nicht zu übersehen sind.

Das Heft bringt weiters eine ganze Reihe von Beiträgen, u. a. über Wüstungen des19. Jahrhunderts auf den Scily- Inseln( Samson- Insel) sowie über verschiedene Bau-denkmäler Englands, darunter auch über die Heubergen( helms) des 18. Jahrhun-derts in Cambridgeshire und von Gloucestershire aus dem 14. Jahrhundert bzw.nach Inventarmeldungen aus England. Besonders hervorgehoben sei jedoch dererste Teil einer Untersuchung westeuropäischer Dachgerüst- Typen in Frankreichund Nordspanien( Jean- Christian Bans and Patricia Gaillard- Bans, Continentalroofs: Some new clues- Part I, S. 56-64, mit einer Verbreitungskarte!). Die beidenfranzösischen Feldforscher weisen eingangs auf die großen Lücken und Versäum-nisse diesbezüglich in der französischen Architekturforschung hin und geben einenersten sicheren Einblick in die große und sehr bedeutende Fülle an Dachgerüstlösun-gen namentlich im Hinblick auf das reiche Vorkommen von Hallenhäusern in Frank-reich. Ihnen sollen in einem zu erwartenden 2. Teil noch die bedeutsamen Funde anKrummsäulenbauten in Frankreich, den sogenannten crucks, folgen. Wer sich inEuropa mit vergleichender Hausbauforschung beschäftigt, wird diese wertvolle,übrigens unmittelbar an die deutsche Gefügeforschung von J. Schepers u. a.anschließende Übersichtsdarstellung kaum entbehren können, in der sowohl die spe-zifisch französischen und baskischen Pfetten- Rofen- Dächer, die Firststützen-Dächer( mit dem typischen französischen poinçon) und die urtümlichen Firstsäulen-Gabelpfosten- Dächer sowie die reinen Pfettendächer und gewöhnlichen Sparren-dachkonstruktionen Frankreichs und Nordspaniens behandelt werden. Wichtig undaufschlußreich ist vor allem auch der Nachweis urtümlicher Gabelpfostendächer inden Hütten der Armen, den, cabanas", der Camargue im Rhône- Delta und in den,, bourrines" der Salzarbeiter des Marais Breton( Bretagne, Poitou) in gleicher Dach-Bauart. Hier wie auch in Kastilien weisen die Autoren für diese Firstträger Bezeich-nungen wie forquelas( span.), occitan. fourquelles bzw. pauforches( franz.) nach,also Ableitungen von furca( lat.), womit sich hier im europäischen Südwesten für dasalteuropäische Dachgefüge mit Gabelpfosten eine sehr deutliche Parallele zum ost-( mittel) europäisch- slawischen Sochadach abzeichnet.

Oskar Moser

Franz und Karoline Farthofer, Die Bildstöcke Kärntens. Klagenfurt, Verlagdes Landesmuseums für Kärnten, 1984. Halbband 1: Bezirke Spittal, Hermagor,Villach, Feldkirchen, St. Veit. Halbband 2: Bezirke Wolfsberg, Völkermarkt,Klagenfurt. Insgesamt XXXXV+ 569 Seiten, 3000 Abb. nach Aufnahmen derVerfasser, 2 Landkarten, 1 S. Korrekturen.

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