frühen Aufkommens der„, Stube" im Bauernhaus vermerkt, deren Wurzeln ebenfallsin das hohe Mittelalter zurückführen( S. 64-71).
Mit dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit kommt es dann„, unter bis dahinnicht gekannter Ausstrahlung progressiver( stadt) bürgerlicher Kultur auf das offeneLand" mit der Ausbildung beachtlicher Hochformen des Bauernhauses zur„, Blüte-zeit des feudalzeitlichen Bauernhauses in Deutschland", deren Leistung und Nieder-schlag in Bau- und Raumstruktur der Holzarchitektur Abschnitt III und IV behan-deln. Nicht nur der Laie findet hier, gut faßlich formuliert und durch zeichnerischeGegenüberstellung verdeutlicht, die wesentlichen bautechnischen Eigenheiten undUnterschiede zwischen Nord und Süd, Ost und West dargelegt und auf ihre Ursa-chen zurückgeführt. Baumgarten zeigt stets auch die Zusammenhänge mit Lebenund Wirtschaften; er vertritt bei den„ ,, Komplexgebäuden im oberdeutschen Raum"deren Entstehung aus„ einer Addition, einem Aneinanderfügen von Scheune undWohnstallhaus", deren älteste Form nach ihm eben das„ Mittertennhaus" darstellt( S. 91), während gegenüber älteren Streu- und Haufenhöfen im mittleren Deutsch-land sich„, vornehmlich seit dem 16. Jahrhundert“ eine straffere Anordnung derGehöfte als Dreiseithöfe ergibt, aus denen erst geschlossene und offene Vierseithöfeund Vierkanter entwickelt worden seien. Aber auch Baumgarten betont für seinenbinnendeutschen Bereich:„ Die Herleitung dieser geordneten Gehöftform ist nochimmer nicht befriedigend geklärt. Sicher ist, daß sie im Mittelalter zumindest schonbekannt war."( S. 100 f.) Wesentliche Bedeutung für die weite Verbreitung solcherRegelhöfe seit dem 16. Jahrhundert kam nach Baumgarten„ ohne Zweifel vor allemgewissen Raumvorstellungen der Renaissance" zu, denen ja auch die um einenrechteckigen Innenhof geordneten Gebäudegruppierungen der Schloßanlagen die-ser Zeit entsprechen( S. 101 f.).
Wenn bei Baumgarten auch der Schwerpunkt seiner Betrachtung auf Nieder-deutschland liegt, das damit seit langem übrigens wieder stärker in die Darstellungeinbezogen erscheint, so bietet sich damit doch auch für den vergleichenden For-scher und den Sachkenner, nicht bloß für den„ interessierten Laien"- wie der Ver-fasser meint-, eine gediegene und in vielem nützliche Übersicht zum ländlichenHauswesen in Deutschland dar, die manche Dinge präziser und anschaulicher ver-mittelt, manches auch neu formuliert. Auch was so über Entwicklungen der jüngstenZeit gesagt wird( Lehrbücher der Landbaukunst, Landbaumeister, Neugestaltun-gen, Unterkellerung, Bauerweiterung, Mehrstubenwohnen, Aufspaltung der bäuer-lichen Familienstruktur, Gesindeabgang, späte Agrarentwicklung usw.), hatGewicht und Bedeutung. Nicht nur die Volkskunde in Mitteleuropa wird also diesesdurchwegs gelungene Handbüchlein zur Geschichte des„ deutschen Bauernhauses"mit Nutzen und Gewinn zu Rate ziehen.
Oskar Moser
Vernacular Architecture, edit. by Pauline Fenley/ Amersham, Bucks., V. A. G.,16 Trefor Road, Aberystwyth, Dyfed SY23 2EH, GRB. Vol. 15( 1984), 98 Seitenmit zahlreichen Plänen, Zeichnungen, Karten und Baulisten.
Wir haben an dieser Stelle bereits mehrfach auf diese überaus aufschlußreiche Jah-resschrift der englischen Arbeitsgemeinschaft für Hausforschung, Vernacular Archi-tecture Group, hinweisen können. Das neu erschienene Heft 15 fügt sich dem mit
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