Jahrgang 
88 (1985) / N.S. 39
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bzw. im Sinne einer Geschichte der Kultur und Lebensweise der werktätigen Klas-sen und Schichten des deutschen Volkes", wie das eben nach offiziellem Sprachge-brauch in der DDR heißen muß.

Entsprechend diesen Vorgaben und Voraussetzungen gliedert K. Baumgartenseine Darstellungen in fünf Zeitabschnitte, von der frühfeudalen Zeit( 9.- 11. Jahrhundert) über die Zeit des entfalteten Feudalismus"( 12./13. Jahrhun-dert), der frühbürgerlichen Revolution"( 15.- 17. Jahrhundert) und des, Feudal-absolutismus( 17./18. Jahrhundert) bis zum Vorabend der industriellen Revolu-tion" im frühen 19. Jahrhundert. Er sucht damit die vorwiegend archäologischenBefunde aus der Frühgeschichte mit der historischen Sachüberlieferung im Hausbaudes Spätmittelalters und der Früh- Neuzeit in Beziehung zu setzen. Vorbild ist für ihnin manchem die englische Hausforschung( M. W. Barley, Eric Mercer), doch sindGrundlagen dafür der hohe Entwicklungsstand in der neueren deutschen Haus- undarchäologischen Siedlungsforschung und nicht zuletzt Baumgartens eigene undumfassende Forschungsarbeit. Über all das gibt schon das Literaturverzeichnis( S. 171-183) einigen Aufschluß. Zudem stützen die Heranziehung von Weistümernund frühen Rechtssatzungen sowie die Anführung archivalischer Quellen fallweiseseine Darstellung ab.

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Entscheidend freilich erscheint, was Karl Baumgarten selbst zur Entwicklung undKulturgeschichte des Hauswesens in Deutschland vorbringt. So etwa die Übergängevon ur- und frühgeschichtlichen Grubenbauten zum späteren Wandhaus; vom Ein-raumbau und Mehrhauswohnen zu differenzierteren Raumstrukturen durchAddition oder Division; dann die Entwicklung der Wand- und Dachbautechnik( S. 23-31). Hier fällt auf, daß Baumgarten bei den Dachkonstruktionen nur von,, Rofendächern und Sparrendächern" spricht, wobei den ersteren auch dieKrummsäulengerüste Baumgarten nennt sie, Krummspannbauten" und dieenglischen ,, Cruckbauten zugeordnet werden, während Dächer mit Firststützen,Rähmstühlen oder Scherenjochen als Mischformen" oder als eine Art von Über-gängen angenommen werden. Diese extreme Reduzierung im Dachartenbestandwird man allerdings kaum nachvollziehen, zumal hier wichtige Grundlösungen, wiedas Gabelpfostendach in Ost- und Westeuropa, übergangen und mir das Dach mit Scherenstuhl"( nach Baumgarten), als Primärform ähnlich dem Cruckbau, in seinerBedeutung und Weitverbreitung unterschätzt erscheinen( S. 30). Ebenso sollte nichtübersehen werden, daß Dächer mit( verkürzter) Firststütze oder Spitzsäule( nachBaumgarten, Fig. a in Abb. 7) in Westeuropa, besonders in Frankreich mit demsogenannten, poinçon, seit dem Mittelalter ungemein verbreitet und gebräuchlichsind, sich also auch nicht ohne weiteres und nur als bloße ,, Mischformen erklärenlassen. Der Verfasser behandelt weiter die Entwicklung der Raumbilder im frühenHausbau und bei den vormittelalterlichen Hallenhäusern sowie schließlich im nie-derdeutschen Hallenhaus und seinen Nebengebäuden( Scheune, Speicher), dessenspezifische Bau- und Raumstrukturen nach Baumgarten bereits im 13. Jahrhundertunter dem Zwang erhöhter landwirtschaftlicher Produktion und vermehrter Ernte-bergung zustande kommen. Ebenso wurzeln die Grundtypen des mitteldeutschenErnhauses als Wohnstallhaus in jener Frühzeit, ebenso hätten auch das oberdeut-sche Mittertennhaus als charakteristischer Mehrzweckbau und Einhof oder das frie-sische Gulfhaus als Leitformen" weiträumiger Hauslandschaften ihre Herausbil-dung ,, zumindest im hohen Mittelalter" erfahren( S. 56). Man wird auch nicht über-sehen dürfen, was Baumgarten bezüglich der Entwicklung der Feuerstätten und des

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