Hans Falkenberg und Helmut Krajicek, Bäuerliches Leben. Auf altenAnsichtskarten. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Freilichtmuseum desBezirks Oberbayern an der Glentleiten vom 27. Juni bis 6. Dezember 1981(= Schriften des Freilichtmuseums des Bezirks Oberbayern, Nr. 8). Großweil beiMurnau 1981, 246 Seiten, Abb.
Der vorliegende Band ist ein Gesamtkatalog aller 441 bei der genannten Ausstel-lung gezeigten Bildpostkarten. Die Aufarbeitung dieser Privatsammlung, die alsErgänzung der im Freilichtmuseum Glentleiten vorhandenen Exponate präsentiertwurde, geschah in zweierlei Richtung. Falkenberg stellt in seinem Aufsatz die Tech-nik und Geschichte der Bildpostkarte dar, Krajicek geht auf deren volkskundlicheBedeutung ein. Der gesamte Band ist übersichtlich angelegt und leicht als Katalog zuhandhaben. Nach den beiden einführenden Aufsätzen folgt der Bild- und Katalog-teil, nach volkskundlichen Sachbegriffen geordnet. Jeder dieser Begriffe wird einge-leitet durch eine kurze allgemeine Zusammenfassung, nach welcher jeweils auf derrechten Seite die zugehörigen Bilder erscheinen. Die Bildtexte sind optisch gut faẞ-bar zweispaltig gehalten, so daß in einer Spalte alle Angaben zur Bildpostkarte auf-scheinen und in der anderen kurze Erläuterungen zum Bildinhalt gegeben werden.Verschiedene Register( Künstler-, Verlags-, Orts-, Sachregister und ein Verzeichnisder Drucktechniken für Bildpostkarten) im Anhang machen diesen Ausstellungs-katalog zu einem allgemeingültigen Nachschlagewerk, das weit über den Themen-bereich der dargestellten Sammlung hinausreicht.
Ihre Entstehungsgeschichte reiht die Bildpostkarte, jenes„ käuflich zu erwer-bende Erzeugnis der Gebrauchsgraphik“, in den großen Rahmen der volkstüm-lichen Andenken- und Erbauungsdrucke ein. Die billige und einfache Herstellungs-weise und die ebenso für jedermann problemlose Benützbarkeit erklären ihren„, Sie-geszug". Bereits im Jahre der Einführung der Postkarte( in Deutschland 1870) wurdedie erste illustrierte Postkarte erzeugt, fünf Jahre später erschienen schon Serien aufdem Markt. 1900 ergab eine amtliche Zählung im deutschen Reichspostgebiet, daßvon 20 Millionen ausgelieferten Postkarten 10 Millionen Bildpostkarten waren( Meyer, 16. Bd., 1909, S. 221).
Damit wird aber deutlich, daß diese Postkarten ein für den Volkskundler ergiebi-ger Bereich der populären Druckgraphik jener Zeit sind. Thematisch finden wir allevolkskundlich relevanten Sachbereiche des Jahr- und Lebenslaufes.
Der Bogen der Darstellungsformen reicht von objektiver Bilddokumentationüber repräsentative Selbstdarstellungen, Abhandlungen gruppenspezifischer, reali-tätsferner Klischees und ironischer Satire bis zum derben Spott. Bildpostkarten dür-fen als volkskundliche Quelle nicht mehr übersehen werden, sie erfordern aber, unddas betonen die Autoren besonders, einen erfahrenen Interpreten.
Ulrike Aggermann- Bellenberg
Hiltraud Ast, Die Gutensteiner Bauern, ihr Land und sein Schicksal.Augsburg, hg. v. d. Gesellschaft der Freunde Gutensteins( 2770 Gutenstein, Post-fach 11), 1983, 224 Seiten, 235 Abb., Karten u. Zeichnungen.
Eine Flut von Heimatkunden und Ortschroniken versucht in der heutigen Zeit,das Bedürfnis weiter Bevölkerungskreise nach Identifikation mit der eigenen Ver-gangenheit zu befriedigen.„, Vielfach sind jedoch diese Schriften“, so befürchtet der
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