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88 (1985) / N.S. 39
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Es würde sich lohnen, bei dem interessanten Stoff auf ähnlich merkwürdige Fälleeinzugehen. Kurioserweise sei nur Nr. 106 Reindlhut, Scherbalglhut herausge-griffen. Er wird beschrieben als sogenannter Scherenhut". Im Einführungstextheißt es dazu auf Seite 51: Leopold Schmidt bezeichnet diesen Typus als, Scher-balglhut"... L. Schmidt, der natürlich diese Bezeichnung nicht erst eingeführt hat,verwendet dafür die volkstümlich geläufige Bezeichnung Scherbalglhut". Sie hatmit, Schere" nichts zu tun, sondern mit der mundartlichen Bezeichnung, Scher" fürMaulwurf. Scherbalg" ist daher Maulwurfsfell. Aus dem weichen Maulwurfsfellwurde diese im weiten Umkreis des Innviertels( bis Salzburg, Niederbayern, dasübrige außeralpine Oberösterreich und das westliche Niederösterreich hinein)beliebte Kopfbedeckung von den Hutmachern hergestellt, einer davon befand sichauch in Mondsee, wo noch 1937 Restbestände und dazugehörige Stöcke festge-stellt werden konnten. Wie ich wiederholt ausgeführt habe( u. a. in ,, Volkskunde fürjedermann, Wien 1952, dort mit Karte auf S. 231), kam dieser Hut mit dazugehöri-ger Tracht um 1850 aus dem pannonischen Raum mit dem Wassergeschäft, d. h.mit den Schiffsleuten nach dem Westen.

Im ganzen ist der Autorin aber die schwierige Untersuchung des Materials gelun-gen. Freilich zeigt sich, daß eine gültige Darstellung der österreichischen Hut- undHaubenlandschaften ohne das Material in den österreichischen Landes- und Lokal-museen sowie unter Heranziehung der privaten Sammlungen nicht gut möglich ist.Da ist z. B. der Hut Nr. 107, weißer Scheibenhut, Krempe schwarz plissiert. Erstammt aus Bad Aussee, war aber im ganzen Ennsgebiet vom Ursprung bis zur Mün-dung, besonders also in der Obersteiermark und in den ober- und niederösterreichi-schen Eisenwurzen, dicht verbreitet.( Vgl. Österr. Volkskundeatlas, Frauentrach-ten II., Kopfbedeckungen, dazu Kommentar 4. Lief., Wien 1973.)

Damit ist das in der Tat sehr schwierige Problem der kartographischen Darstellungtrachtenkundlicher Sachverhalte angeschnitten. Gertrude und Veronika Swobodahaben es graphisch und künstlerisch in einer sehr ansprechenden Weise zu lösen ver-sucht. Gegen den sachlichen Gehalt gibt es allerdings verschiedene Einwände. Viel-leicht wäre es besser gewesen, die Männerhüte, die für Laien von Frauenhüten invielen Fällen nicht zu unterscheiden sind, wegzulassen. Auch sind schwarze undweiße Hüte bzw. Hauben nur im Umriß dargestellt, der Unterschied ist aber wesent-lich. Die Oberösterreicherinnen wünschen sich auch eine formentsprechendere Dar-stellung ihrer Goldhauben. Doch sind das alles mehr oder weniger kleine Fische".Wir danken der Autorin für diese wichtige Arbeit, besonders aber dem Österreichi-schen Museum für Volkskunde, daß es damit Gelegenheit zur weiteren Erschließungseiner für das gesamte Fach so bedeutenden Bestände gegeben hat.

Franz C. Lipp

Vera Mayer, Holzkirchen in Böhmen, Mähren und der Slowakei. Kata-log zur Ausstellung im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee. Österreichi-ches Museum für Volkskunde/ Ethnographisches Museum Schloß Kittsee, 1984,43 Seiten, 23 Abb.

Die kirchliche Holzbaukunst Osteuropas reicht über die Karpathen und derenVorländer bis nach Mitteleuropa, vor allem nach Ostböhmen und Nordmähren; siehat sich dabei besonders im angrenzenden Schlesien und in der Nordslowakei nochreich entfaltet. Von den bisher in der Tschechoslowakischen Sozialistischen

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