Chronik der Volkskunde
Das Österreichische Volksliedwerk- 80 Jahre
Mit einem Festakt im Bundesministerium für Unterricht und Kunst im Beisein vonBundesminister Dr. Herbert Moritz feierte das Österreichische Volksliedwerk am15. November 1984 das 80jährige Jubiläum seines Bestehens( vgl. den Bericht inÖZV XXXVIII/ 87, 1984, H. 4, S. 335). Das Österreichische Volksliedwerk wurdeim Jahre 1904 beim damaligen Kultusminister zum Zweck der Aufsammlung undEdition der Volksmusik in Österreich gegründet. Während das Editionsprojektdurch den Ersten Weltkrieg unterbrochen und nie mehr fortgeführt wurde, wurdendie damals angelegten Archive durch die Jahrzehnte herauf ausgebaut und repräsen-tieren heute in allen Bundesländern handschriftliche Volksmusiksammlungen vonunschätzbarem Wert und sehr beachtlicher Quantität. Allein an Volksliedaufzeich-nungen wurden in ganz Österreich an die 150.000 Nummern archiviert, dazukommen Instrumentalmusiknummern, Volkstanzbeschreibungen, Bildarchive,Schallarchive, Zeitungsausschnittsammlungen und Bibliotheken.
1974 wurde das Österreichische Volksliedwerk, das bis dahin eine Kommissionbeim Bundesministerium für Unterricht und Kunst war, über Verlangen des Rech-nungshofes umstrukturiert, um dem Österreichischen Volksliedwerk einen Rechts-titel als Empfänger von Subventionen zu geben. Bei den Überlegungen, ob eine Stif-tung oder ein Verein gemacht werden solle, entschied man sich nach Rücksprachemit den Bundesländern für den Vereinscharakter. In der Frage, welchem Ministe-rium das Österreichische Volksliedwerk zugeordnet werden soll, sprach man sich mitNachdruck für den Verbleib im Bundesministerium für Unterricht und Kunst aus,um die Verbindung von Forschung und Pflege in Schule und Erwachsenenbildung zugewährleisten. Damit sollte verhindert werden, daß Volkslied und Volksmusik zueiner rein musealen Angelegenheit werden, und es sollte ihre lebendige Funktion imösterreichischen Kulturleben erhalten bleiben.
Die regionalen Archivbestände wurden bei der Umstrukturierung ins Eigentumder entsprechenden Länder übergeben, während das Österreichische Volksliedwerkals Dachverband mit dem Österreichischen Volksliedarchiv die Bestände des ehe-maligen Zentralarchivs und die Fachbibliothek als Bundeseigentum treuhändig ver-waltet, ausbaut und den statutenmäßigen Aufgaben zuführt. Zur Durchführung derGeschäfte und zur Betreuung des Österreichischen Volksliedarchives wurde ein wis-senschaftlich ausgebildeter Generalsekretär eingestellt. Im Rahmen einer Aktionzur Beschäftigung stellenloser Junglehrer arbeiten derzeit sechs Lehrer in den ver-schiedenen Archiven mit. Dazu kommen eine Reihe ehrenamtlicher Mitarbeiter inganz Österreich. Eine„ Wissenschaftliche Kommission", der führende Fachleute
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