Jahrgang 
88 (1985) / N.S. 39
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bruch alleine frühstückenden Familienmitglied Gesellschaft zuleisten. So mancher nimmt das Frühstück( auch das erste) heute mitan den Arbeitsplatz, um durch die frühere Anreise das Parkpro-blem zu lösen. Mittags wird vielfach im oder beim Betrieb gegessen,abends häufiger beim Heimkommen als später und vollzählig;bisweilen geht man aus. Vielerlei Diätrücksichten und Bindung andas Fernsehprogramm wirken ebenfalls nicht in Richtung ge-meinsame Mahlzeit. Fastenkuren sind, wo nicht auf einemgemeinsamen Abendbrottisch bestanden wird, sicherlich leichterdurchzuhalten. Andererseits leistet diese Art zu leben auch undiszi-pliniertem Essen Vorschub.

Die Zahl der gemeinsamen Mahlzeiten in der Familie, im kleinenKreis am häuslichen Herd, in der kleinen Gruppe und die damitverbundene Geselligkeit nehmen ab.( Wo noch alle das gleicheFernsehprogramm sehen, versammelt sich manche Hausgemein-schaft statt dessen abends zu diesem Zweck.) Das Ausgehen mit( meistens Geschäfts-) Freunden dagegen wird- zumindest meinenerfaßten Beobachtungen zufolge bei manchen Leuten auch inländlichen Gegenden häufiger. Zu Hause wird nicht so regelmäßigund so diszipliniert gegessen, daß Gäste an der normalen" Mahl-zeit teilnehmen könnten. Auch ist die Familie klein, so daß auch eineinziger Gast angemeldet sein müßte usw.

Bereits im Mittelalter wurden Regeln für richtige Tisch- und EB-gewohnheiten schriftlich niedergelegt. Solche Anleitungen hießen,, Tischzuchten". Das Werk aus dem 12. Jahrhundert, das SebastianBrant übersetzte, hieß, Phagifacetus. Im 14. und 15. Jahrhundertexistierten viele auch deutsch, englisch oder französisch abgefaßteTischzuchten, im 16. erschienen solche parodistischer Natur.

Das gemeinsame Mahl verläuft nach bestimmten Regeln. Inmanchen Familien ist es üblich, daß alle, auch die Gäste, der Haus-frau nach dem Mahl durch einen Handkuẞ danken. In vielen Kultu-ren( oder Gemeinschaften innerhalb der Kulturen) gehört dasGebet verbindlich zum Mahl, meistens wird vor dem Essen gebetet,manchmal auch ein Dankgebet zum Schluß gesprochen.

Trinksprüche, Toasts, Leberreime, Laudationes, Schnitzel-bänke, G'stanzin rund um das Mahl gehören mehr zu festlichen An-lässen. Auf dem Tisch tanzen sollten nur Könner, sie tun es ge-wöhnlich in besonders ausgelassener Stimmung; daß der Freiherrvon Münchhausen auf einer Tafel sogar geritten sei, ist wahr-scheinlich doch zuviel Stabilität von dem Möbelstück verlangt.

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