Die gleiche Sprachwurzel für 1. das Möbelstück, 2. die Schüsselund 3. das Gericht wird dadurch erklärt, daß Eßbares oft auf einerim Holzständer ruhenden Schüssel vor Gäste hingestellt wurde.Möbelstück, Schüssel und Essen bildeten sozusagen ein Ding. DerName dürfte ursprünglich Bezug auf die Form der Schüssel neh-men. Er kommt vom griechischen dioxo5, was( Wurf) scheibe be-deutet, und wieder mit dɩxɛiv,( d. h. werfen) in Verbindung steht.
Der Ausdruck Tafel, von tabula, Lehnwort aus dem Lateini-schen, ist mindestens als tabula rasa, die leere, die abgewischteTafel, oder als tabula smaragdina der Alchimisten geläufig. Er istweiter als die Bezeichnung„ tisch" im Sinne von Möbelstück: DieTafel muß nicht horizontale Speisetafel sein, es kann sich um eineSchreibtafel oder ein Gemälde( Tafelbild) handeln.
Das gemeinsame Mahl
Ein„ Mittags-“ oder„ Abendtisch" ist nicht nur eine Folge vonGerichten. Er ist in unserem Sprachgebrauch auch häufig- und dasist der volkskundlich vielleicht interessanteste Aspekt- gemeinsa-mes Mahl. Das ist ein selbstverständliches und zwangloses, im klas-sischen Sinn tägliches Zusammensein einer gewachsenen Gemein-schaft oder mehr zufälligen Gruppe. Es hat wieder im ,, Normal-fall" neben den profanen auch kultische, sittliche, seelenhygieni-sche Aspekte, wirkt entspannend, gruppenintegrierend usw. Es hatseine Entsprechung im Bild des letzten Abendmahles, des Opfer-mahles vieler Kulturen, der Kommunion, der klösterlichen Ge-meinschaft, der Vereinigung der Familie, Haus- oder Arbeitsge-meinschaft. Zweck für die übersehbare Gruppe ist nicht nur dieNahrungsaufnahme in bekömmlichem Milieu. So wichtig war dergemeinsame Tisch in der Familie, daß eine eventuelle Scheidung,, von Tisch und Bett" erfolgt.
-
Wird eine Gruppe zu groß, wird das gemeinsame Mahl wie in vie-len Betrieben und leider auch Internatsschulen durch einen Betriebmit Selbstbedienungsrestaurant- Charakter ersetzt, wodurch wieleicht ersichtlich · etliche seiner ursprünglichen Funktionen ver-lorengehen.
-
Heute wird das gemeinsame Mahl der kleinen gleichbleibendenGruppe seltener. Der erfolgreiche Konsumgesellschaftsmensch iẞtmorgens allerdings in der Mehrzahl der Fälle zu Hause, selten abermit der ganzen Familie zusammen. Sehr bemühte Hausmütter ver-suchen, wenigstens ihrerseits jedem vor dem morgendlichen Auf-
53