Jahrgang 
88 (1985) / N.S. 39
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gegessen. Die Frauen schätzen den europäischen Tisch in solchenFällen als Abstell-, kaum aber als- und Arbeitsplatz.

Auch im serbischen Morawatal ich vor etwa 20 Jahren alsweibliches Wesen mit den Männern des Haushaltes und männli-chen Gästen an einem Tisch, hinter dem die Frauen nur stehen unddie Speisen zureichen oder sich gelegentlich ins Gespräch mischen.Dort ist der Tisch aber nicht nebensächlich, er ist als Wohnstuben-utensil ,, Männersache". Die Frauen essen normalerweise in derKüche, nach den Männern und ebenfalls an einem großen, stabi-len Tisch.( Mir wurde die normale Frauenrolle bloß nicht zuerkanntoder zugemutet, weil ich- sozusagen als Monstrum mit einer imübrigen männlichen Tierärztegruppe gekommen war.)

Tisch, Tisch und dishes

Den individuell gestalteten Tisch erzeugt im Osten des deutschenSprachraumes der Tischler, früher auch Tischer, im Westen undSüden der Schreiner. Vorher war es Sache des Zimmermannes,Holzmeisters.

Das Wesentliche an einem Tisch ist die horizontale Platte. Da es- zum Beispiel auf Schiffen- auch Hängetische gibt, ist das Unter-gestell nicht das eigentlich Charakteristische. Ob in der Romanikbemalt, in der Gotik bereits geschnitzt( Stirnwandtische), in derRenaissance( und schon im Altertum) in Tierköpfe oder Tierfüßeauslaufend, im Barock wuchtig und geschweift, im Rokoko zierlichund weiß- gold lackiert, im Empire sich wieder klassischen Formennähernd oder im Biedermeier schlicht, leicht und furniert, ist esdazu da, die Platte in der Horizontalen zu halten. Alles Schräge isteigentlich nicht Tisch, sondern Pult. Tragend kann eine Säule sein,sind gerade oder schräge Tischbeine, die durch Fußleisten ver-bunden sind oder auch frei stehen. Die Kreuzungsstellen schrägerTräger können durch eine Leiste miteinander verbunden sein. VierFüße sind für viereckige Tische die Regel; ein Fuß ist bei Rundti-schen und vieleckigen häufig, drei Beine kommen vor; zwei habenetliche wandständige Klapptische. Steintische, wie sie im Mittel-alter nicht nur im Freien, sondern auch in Erkern und Nischen an-zutreffen sind, ruhen meist auf einer Säule oder einem nur grob an-gepaßten Stein, wobei es sich dann fragt, ob solch ein Tisch noch ein,, Möbel" im engeren Sinn, das heißt mobil, zum beweglichen Haus-rat gehörig, ist.

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