Zeitunglesen setzte man sich daran oder wenn außerhalb der Mahl-zeiten an Gäste Kaffee oder Schnaps ausgeschenkt wurde. DerSchneider auf der Stör pflegte zeitweise auf diesem Tisch zuhocken, zu anderen Zeiten war das Möbelstück zum Strudelteig-ausziehen, Striezelflechten, Strohsackflicken, Kranzwinden,Buschenbinden, Lebkuchenausstechen und sogar für feine Schnitz-und Schreinerarbeit gerade recht. Die Bäuerin setzte ihre Blumendarauf um, Hausierer und Botenleute breiteten ihre Ware aus, dieKinder ihr Spielzeug, d. h. ganze Herden von Hornvieh in Formvon Gabelästen. Jedem von uns fällt darüber hinaus sicherlich eineMenge ein, was sich auf so einem soliden Wohnstubentisch erledi-gen läßt.
In Kriegs- und Notzeiten, wenn auch bei mir zu Hause alle umden Tisch des einzigen geheizten Zimmers zusammenrückten, dieSteuererklärung vor dem Schmalztiegel und der Apfelstrudel vordem Tintenfaẞ geschützt werden mußte, habe ich oft neidisch anden umfangreicheren und stabileren Tisch in der steirischen Bau-ernstube denken müssen. Daß die Platte dieses Tisches etwa dreißigMale am Tag feucht abgewischt und( bzw. oder) trockenpoliertwurde und in welcher Weise die einzelnen Familienmitglieder unddas Gesinde mit ihren Tätigkeiten aufeinander Rücksicht nahmen,hätte ich als Kind- wäre ich nicht von meinen Eltern ausdrücklichdarauf hingewiesen worden nicht registriert.
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2. Das eher wohlsituierte Doppelverdienerpaar( im Nebenhauseines städtischen„ Beobachtungspostens“), dessen Wohnungsein-richtung unter Mithilfe der beiderseitigen Eltern nach der Hochzeitgroßzügig neu angeschafft wurde, hat innerhalb seiner vier Wändekeinen Tisch im alten Sinn. Ich beobachtete verblüfft, wie das geht.Es geht nämlich.( Bei uns dagegen sind etliche große, freistehendeTische nicht nur auf Kosten anderer Bequemlichkeiten vorhanden,sondern auch gewöhnlich mit Schriften oder Handwerkszeug belegtund immer zu klein.)
In der Küche der erwähnten Nachbarn gibt es einen Eẞplatz, derwandständig fixiert und recht klein ist. Daran stehen Barhocker.Das jüngste Kind hatte zunächst einen aufgerichteten Klappkinder-stuhl, hoch genug, um auf den Teller zu sehen. Etwaige Folge-gerichte stehen auf den Deckflächen der eingebauten Küchen-maschinen bereit, wo auch die Speisen zum Kochen zugerichtetwerden. Der Eẞplatz wird von allen benützt- allerdings nur seltengleichzeitig. Am häufigsten ist das anläßlich eines späten Sonntag-morgenfrühstücks der Fall.
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