Jahrgang 
88 (1985) / N.S. 39
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In seinen Abhandlungen über das Hahnenschlagen in Ungarnund Europa beschrieb Zoltán Ujváry den Brauch bei der deutsch-sprachigen Bevölkerung der transdanubischen Komitate Baranyaund Fejér. Außer den bisher bekannten Varianten des Hahnen-schlagens, betonte der Verfasser, könnten noch weitere Wechsel-formen des Brauches zum Vorschein kommen.³) In der vorliegen-den Arbeit möchte ich diese Varianten an Hand meiner eigenentransdanubischen Sammlungen sowie der fachliterarischen An-gaben schildern.

Hahnenschlagen an Festtagen

Am Aschermittwoch fand sich die deutsche Jugend des DorfesMecseknádasd( Kom. Baranya) im Hof des Wirtshauses ein. Aneinen eingegrabenen Pfahl wurde ein Hahn gebunden. ZwanzigSchritte vom Hahn entfernt wurden die Augen des Burschen zuge-bunden; man gab ihm einen Dreschflegel in die Hand, führte ihneinige Male um ein Faß herum und stellte ihn dann mit dem Gesichtzum Hahn hin. Seine Aufgabe bestand nun darin, zum Hahn zu ge-hen und ihn mit dem Dreschflegel zu erschlagen. Wer das, Kunst-stück" fertigbrachte, galt als Held des Tages. Nach einem erfolgrei-chen Schlag zogen die Burschen mit Sang und Klang ins Wirtshaus,ließen den Hahn zubereiten, verzehrten ihn und unterhielten sich.)Laut Statistiken aus dem 19. Jahrhundert war Mecseknádasd eindeutschsprachiges Dorf¹0), dessen Einwohner im Jahre 1718 ausdem Rheinland, aus Hessen, Elsaß- Lothringen und der Steiermarkeingewandert sind. 11)

Im Dorf Pusztaszemes( Kom. Somogy) kauften die Burschen amAschermittwoch einen Hahn, den sie bis zum Hals in die Erde ein-gruben. Mit zugebundenen Augen versuchten sie, den Hahn miteinem langen Stock zu erschlagen. Wem es gelang, dem gehörte derHahn.) In der statistischen Arbeit von Elek Fényes wirdPusztaszemes als deutsches, im Ortsverzeichnis aus dem Jahre 1882als ungarisches Dorf angeführt. 13) In bezug auf die sprachliche Ver-teilung seiner Bewohner können wir die auf der Volkszählung desJahres 1910 beruhenden Angaben einer Monographie über dasKomitat Somogy annehmen, welche vor dem Ersten Weltkrieg er-schienen ist: Zahl der Häuser: 65, Einwohnerzahl: 493, davon 140ungarischer und 353 deutscher Sprache, zumeist römisch- katholi-scher Religion. Im Jahre 1677 erhielt György Széchenyi, Erz-bischof von Kalocsa, die entvölkerte Ortschaft als Donation. ImJahre 1733 war sie noch immer entvölkert und gehörte dem Grafen

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