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88 (1985) / N.S. 39
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Hahnenschlagen in Westungarn

Von László Lukács

( Mit 9 Abbildungen)

Das Hahnenschlagen erscheint in Europa bei romanischen, ger-manischen und westslawischen Völkern in Feiertags-, Hochzeits-und Erntebräuchen. Bei diesem Geschicklichkeitsspiel werden dieAugen des Spielers zugebunden; man gibt ihm einen Säbel, eineSense, einen Dreschflegel oder einen Stock in die Hand, womit erden Kopf des bis zum Hals eingegrabenen, unter ein Tongefäß ge-stellten, an eine Leiter, ein Gestell oder eine Stange gebundenenHahnes mit einem Schlag abschneiden oder das Tier totschlagensoll. Der erfolgreiche Schlag bringt ihm einen Titel, einen Auf-trag, Anerkennung, Gratulation oder ein Geschenk ein. BeiHochzeiten diente das Hahnenschlagen des Bräutigams, der Brautoder der Brautführer ursprünglich dem Fruchtbarkeitszauber, spä-ter zur Unterhaltung der Hochzeitsgäste. ¹)

Es beweist den mittelalterlichen Ursprung dieses Brauches, daßeine seiner Formen auch am Gemälde Kinderspiele von PieterBruegel d. Ä.( 1560) dargestellt wird. Im mittleren Teil des Bil-des, welches im Wiener Kunsthistorischen Museum aufbewahrtwird, sehen wir zwei Knaben, die Topfschlagen spielen. Der eine,dessen Augen mit einer Kappe zugedeckt sind, versucht, mit einemKnüppel ein umgeworfenes, rußiges Tongefäß zu treffen, währendder andere mit einer Messerklinge am Gefäßboden klopft, um sei-nen Spielkameraden durch die Richtung des Lautes zu orientieren.Oft wurde ein lebendiger Hahn unter das Gefäß gesteckt, in diesemFall sollte der Spieler mit einem einzigen Schlag den Topf zerschla-gen und den Hahn töten. 2) Das Spiel des Topfschlagens( jeu aucasse- pot) kommt auch in Gargantua von François Rabelais( 1534) vor.³) Dies ist schon deshalb bemerkenswert, weil Rabelaisdie Geschichte von Gargantua einem zeitgenössischen französi-

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