nahmen gemacht, deren Texte bis heute leider unveröffentlicht geblieben sind. Nunist ein Band mit wertvollen Geschichten von U. Topper vorgelegt worden.
Im Schatten der arabischen Märchen waren die Erzählungen der Berber bisher zuUnrecht viel zuwenig beachtet worden, obwohl hier sich viel Erzählgut von Kraftund Lebendigkeit bis in unsere Tage erhalten hat.
Soweit mir in die berberischen Materialien Einsicht gegeben ist, darf festgestelltwerden, daß Topper eine ausgezeichnete Auswahl geglückt ist, deren farbige Breiteund Vielseitigkeit andeutet, was und wie erzählt wurde und teilweise noch erzähltwird.
Meist hat der Herausgeber auch den Ton im Übertragen gut getroffen; wenn inder Annäherung umgangssprachlicher Partien ans Original einzelne Passagen zunorddeutsch klingen, so muß man die Schwierigkeit oder sogar Unmöglichkeitgesamtdeutscher Ausdrucksweise zugeben. Topper lebt und denkt mit seinen Erzäh-lern und übersetzt nicht nur„ Texte“. Seine ausführlichen- 22 Seiten umfassendenAnmerkungen sollte man wie das Nachwort als erstes lesen, um eine gründlicheund klare Einführung in die Welt der Berber, ihre Geschichte und ihre Eigenart, zuerhalten.
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Der Band bietet nicht nur Märchen und Schwänke, wie man sie aus vielen Land-schaften ähnlich kennt, sondern er bringt auch recht eigenwillige und typische Erzäh-lungen, vor allem in den beiden Gruppen„ Geschichten von der Macht der Frauen"und„ Mystische Geschichten". Darunter sind Texte, die mancherlei Überraschungbieten. So bringt Nr. 41„ Der Ehebruch“ eine Geschichte, die fast modern die Span-nung zwischen emanzipatorischen und antiemanzipatorischen Tendenzen aufzuzei-gen scheint und in der ein Geist fragt:„ Gehen die Männer und Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber schongemischt auf die Märkte?"-„ Tanzen die Männer und Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber schon miteinanderauf den Festen?"-„ Quatschen und tratschen die Männer in den Bethäusern schon,wenn sie das Gebet beendet haben?"- und dabei bringt die gleiche Erzählung sehrarchaische, vorislamische Züge.
Daneben finden wir erotische Motive, aber auch exempelhafte Geschichten sowiein der letzten Gruppe Texte, die man als Legenden ansprechen könnte. Und wennes da am Ende einer Erzählung heißt:„ Der Herr verzeihe uns, mir und euch!“ unddie Zuhörer mit„ Amen“ antworten, fühlt man sich in mediterrane christliche Land-schaften versetzt, wo man einem ganz ähnlichen Habitus begegnen kann, wenn esums Formulieren von Schlüssen geht.
Insgesamt tendieren die erzählten Geschichten mehr zum Kulturkreis des Mittel-meeres, und typisch afrikanische Züge bleiben Ausnahmen. Engel in Tiergestalt zei-gen die Zusammenhänge mit den sudanesischen Märchen und erinnern daran, daßdas Volk der Berber bis dorthin reicht.
Der Band ist gut zu lesen und enthält zugleich für die Volkskunde wichtige Infor-mationen.
Felix Karlinger
Jenő Kiss, Magyar madárnevek. Az európai madarak elnevezései( Ungarische Vogelnamen. Die Namen europäischer Vögel). Budapest, Akademi-scher Verlag, 1984, 363 Seiten.
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