Der polyglotte Band mit seiner gefälligen Aufmachung, dem ausgezeichneten feh-lerfreien Druck und den dreisprachigen Resümees am Ende jedes Referats, stellteinen würdigen Schlußpunkt eines denkwürdigen Kongresses dar, der in der nun20jährigen Geschichte dieser Kommission und in der Erinnerung aller Teilnehmereinen bevorzugten Platz innehaben wird.
Walter Puchner
Felix Karlinger, Legendenforschung
Aufgaben und Ergebnisse.
Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1986, 126 Seiten.Felix Karlingers vorliegendes neuestes Buch bietet auf nur 126 Seiten eine umfas-sende und vorzügliche Zusammenfassung der Forschungen zur Erzählgattung„ Legende". Ein Buch also, wie es sich sicher nicht nur Studierende wünschen, son-dern das jedem unentbehrlich ist, der sich mit dieser Erzählform beschäftigenmöchte oder auch einfach nur am Thema„ Legende" interessiert ist. Diese Form derinformativen Zusammenfassungen des Forschungs- und Wissensstandes einzelnerGebiete der Volkskunde, wie sie z. B. auch die Metzler- Reihe bietet, stellt einenwichtigen Beitrag in der Fachliteratur dar, die durch eine Überfülle der Publikatio-nen kaum mehr zu überblicken ist, will man sich nicht auf einen ganz engen Bereichbegrenzen.
In seiner Einleitung beschäftigt sich Felix Karlinger mit der Bezeichnung,, Legende" und dem Erzählgut, das darunter verstanden wird, sowie den Abgren-zungen zu Sage und Märchen. Das nächste Kapitel behandelt Probleme, Themenund Stoffe, wobei der Autor wieder in den ost-, west- und südeuropäischen Raumausgreift und sich nicht auf den volkskundlichen Blickwinkel allein beschränkt, son-dern auch Religionswissenschaft, Theologie, Literaturwissenschaft und andere Dis-ziplinen einbezieht.„ Formen und Erscheinungsweisen“ ist der Titel des nächstenAbschnittes, der sich gliedert in„ Die literarisierte Legende in Epik, Lyrik, Prosa",,, Die dramatisierte Legende“ und„ Legende als geistliche Oper und Oratorium“.Der zweite Teil des vorliegenden Bandes ist Wissenschaftlern gewidmet, die sich mitdem Thema„ Legende“ beschäftigt haben. Eine kurze Zusammenfassung bietetjeweils einen Überblick über ihre Forschungstätigkeit, ihre Erkenntnisse und Theo-rien und wird durch bibliographische Angaben ergänzt.
Auch wenn Felix Karlinger in seinem Vorwort betont, daß dieser Band nur dieVorstufe zu einem Handbuch der Legendenforschung darstellt, ist damit doch schonein überaus wesentlicher Schritt getan, wie man ihn sich für andere Themenkreisenur wünschen könnte. Ohne durch eine Überfülle an Material den Leser und Benüt-zer zu verwirren, gelingt es dem Autor, eine wirkliche Einführung in diese Erzählgat-tung zu schaffen, ja darüber hinaus die Forschungsgeschichte zu eben diesemBereich aufzuarbeiten und vorzustellen. Wenn er selbst im Vorwort von der nicht zuüberblickenden Flut von Veröffentlichungen und Studien spricht, weiß man, wievielWissen und wieviel Fleiß und Mühe in diesem schmalen Band stecken, für den demAutor wirklich zu danken ist.
Eva Kausel
Norbert Neumann, Vom Schwank zum Witz. Zum Wandel der Pointe seit dem16. Jahrhundert. Frankfurt/ Main, Campus Verlag, 1986, 173 Seiten.
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