Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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und-zentren vorliegt. Die Autoren sprechen selbst in der zweisprachigen( französi-schen und deutschen) Einführung von einem, Orientierungs- und Nachschlageange-bot" sowie von einer Basis für die spätere vergleichende Auswertung( S. 7).

Ein phantastisches wissenschaftliches Forschungsunternehmen legt hier jedenfallsder Öffentlichkeit die umfassenden Ergebnisse vor. Vorbildgebend wurden in 15Basisangaben nach den Frage- und Erklärungsbögen die rund 250 von den Verfas-sern innerhalb von zehn Monaten besuchten Töpferorte kurz charakterisiert: nachihrer regionalen und politischen Zuordnung, Stammeszugehörigkeit der Bewohner,dem Marktort bzw.-tag, mit Zahlenangaben zu den vorgefundenen Werkstätten undden betreibenden Personen bis zur Anfertigung von Meisterlisten; Anzahl und Typder Brennöfen und Brennstellen, die wichtigsten Form- und Funktionstypen derkeramischen Produktion sowie allfällige besondere Bemerkungen, der Name desBearbeiters und das Datum der Aufnahme ergänzen die Angaben. Das beigefügteKartenmaterial ist außerordentlich exakt. Jeder Töpferort ist auf einer Detailkarteim Maßstab 1: 100.000( bei der Angabe von 1: 200.000 auf Seite 6 und Seite 12handelt es sich um Tippfehler) eingetragen, die Nummer des abgebildeten Kar-tenausschnittes hilft bei der Orientierung auf einer beigefügten GesamtkarteMarokkos.

Eine kleine Auswahl aus dem umfangreichen Bildmaterial des Unternehmenskann vermutlich aus technischen Gründen oft keine genaue Definitionsmöglichkeitder Objekte bieten, gibt jedoch einen Einblick in den keramischen Bestand in situ:in die Aufbautechniken ohne und mit Töpferscheibe, die vor allem unglasierte,zumeist unbemalte Irdenware, gebrannt in Brennmulden und Brennöfen.

Neidvoll kann ein Volkskundler auf das deutsche Forschungsunternehmen blik-ken, an dem bis zu sieben Fachkräfte beteiligt waren, und bewundernd auf das vor-liegende umfassende Resultat an Informationen, welches der Autor Rüdiger Vossenbereits in seinem Referat zum 14. Internationalen Hafnerei- Symposium( ,, Bestands-aufnahme der Töpfereien Marokkos." In: Vergleichende Keramikforschung in Mit-tel- und Osteuropa[= Kittseer Schriften zur Volkskunde, Heft 2]. Kittsee 1984,S. 255-271) angekündigt hat.

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Es ist wünschenswert, daß diesem vielleicht als erster Band zu bezeichnendem- Werk bald die für daheimgebliebene Keramiker wertvolle Gesamtauswertung derForschungsergebnisse im Hinblick auf ,, die Unterschiede von Männer- und Frauen-töpferei, Aufbau- und Fertigungsprozesse, Werkstattanlagen, Töpferscheiben undBrennstellentypen, Handels-, Transport- und Absatzformen, Anpassungs- und Ver-änderungsprozesse, Form-, Funktions- und Dekortypen sowie ein Vergleich derTöpfertraditionen Spaniens und Marokkos( S. 2) nachfolgt.

Claudia Wacha

Christl Schöffer, Hannelore Rosenberger, Alte Volkskunst. Trachten ausund rund um Wien. Ein Werkbuch( mit Schnittmusterbogen). Graz, LeopoldStocker Verlag, 1985, 153 Seiten, zahlr. farbige Abb., Skizzen und Schnittzeich-nungen.

Der Leopold Stocker Verlag, Graz, spezialisiert auf volkstümliche Handarbeits-bücher, hat ein neues Trachtenbuch herausgebracht. Niederösterreicherinnen undWienerinnen, die Dirndlkleider gern haben und die nicht als verkleidete Salon-

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