Cornel Irimie( † 1983) geht vor allem auch den für Südosteuropa so kennzeichnendenhausindustriellen Zentren zur Herstellung aller dieser Gegenstände nach undumreißt einleitend die Bedeutung des Werkstoffes Holz für die rumänische Volks-kunst. Er prüft weiters zum Schluß deren stilistische Merkmale im Ornamentalenund streift kurz auch deren Neubewertung und Bedeutung für das stark gefördertezeitgenössische Hausgewerbe dieser Art in Rumänien.
Oskar Moser
Heidi Müller, Ekkehard und Inge Lippert unter Mitarbeit von Regine Falkenberg,Bunzlauer Geschirr: Gebrauchsware zwischen Handwerk undIndustrie( Schriften des Museums für Deutsche Volkskunde Berlin, Bd. 14).Berlin, Verlag Dietrich Reimer, 1986, 415 Seiten.
Schon an Hand der Inhaltsangabe läßt sich erkennen, daß wir es hier nicht nur miteinem Ausstellungskatalog allein zu tun haben, sondern daß hier eine gelungeneSynthese eines Handbuches mit einer ausführlichen wissenschaftlichen Aufarbei-tung des Themas in einem Band vorliegt. Letztere brilliert durch die Variationsbreiteder volkskundlichen Themenstellungen: von den Lebens- und Arbeitsbedingungender Töpfer, von ihrer Gebundenheit an die Zunft bis zum Umschwung hin zu einerindustriellen Fertigung sowie über die Entwicklungsgeschichte des technischen Her-stellungsverfahrens von Bunzlauer Geschirr und seinen Dekoren.
Im Katalogteil kann der nun technisch versierte Besucher bzw. Leser in einer vor-bildhaften Beschreibung sein Wissen anwenden. Die Differenzierung erfolgt hierneben der Angabe der Gefäßform lobenswerterweise auch nach Art des Scherbens( ob Irdenware, Steinzeug, Feinsteinzeug oder Porzellan) sowie nach dem Form-gebungsprozeß( z. B. ob auf der Töpferscheibe gedreht oder in Gipsformen ge-gossen).
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Gerade für die Volkskunde empfinde ich es als Bereicherung, nicht nur einerkunsthistorischen Ästhetik entsprechende Objekte vorzufinden, sondern- was derUntertitel auch verspricht- einfaches Gebrauchsgerät des 17. bis 20. Jahrhunderts.An Hand einer originellen Auswahl an Bildmaterial wird der Verwender vorgestellt.Heidi Müllers Artikel„ Der Gebrauch von Bunzlauer Geschirr" beweist für mich,daẞ erst der Bezug zu einer sozialen und räumlichen Umgebung ein musealisiertesObjekt der materiellen Kultur zum Leben erweckt. Sie präsentiert Bunzlauer Kera-mik in einer realen Funktionsvariante, zeigt z. B. einen Ausschnitt aus Adolph Men-zels Bild ,, Eisenwalzwerk"( 1875), wo Arbeiter ihr Essen im Schatten der Maschinenaus Bunzlauer Braungeschirr löffeln, und bringt eine Auswahl an Photographien,auf welchen zufällig d. h. nicht als Hauptmotiv der Aufnahme gedacht- Bunz-lauer Gebrauchsgeschirr in Verwendung zu sehen ist. Die Autorin weist auf die Ver-bindung von Nahrungsvolkskunde und Gefäßformen hin und zeigt, daß einerseitseiner regional brauchtümlichen Speise bzw. ihrem Herstellungsprozeß eine eigeneGefäßform zugeordnet werden kann( z. B. tönerne„ Mohnreiben“ für die weih-nachtlichen Mohnklöße Schlesiens; eine spezielle Kuchenform, die„, Babeform";oder den ,, Bunzlauer Eintopf“ usf.) und andererseits eine Veränderung regionalerNahrungsgewohnheiten in der handwerklichen Keramikproduktion ihren Ausdruckfindet( z. B. ist die Verbreitung des Kaffee- und Teetrinkens im 18. Jahrhundertrekonstruierbar an Hand der veränderten Gefäßproduktion: weniger Trinkkrüge fürBier und Wein, dagegen mehr kleine Kaffeekannen derselben braunen BunzlauerLehmglasur mit dem aufgelegten weißen Dekor).
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