Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
Einzelbild herunterladen
 

,, kirchliche Dokumente der Bergbaukultur( S. 169), so u. a. die Barbarakapelle zuGossensaß, die Magdalenenkirche bei Mareit wie die Pfarrkirche zu Primör( Primiero). Ergänzend sei noch auf die hoch über dem Bergwerksstädtchen Klausenauf steilem Fels sich erhebende Benediktinerinnenabtei Säben hingewiesen, die derdem Klausner Gewerkengeschlecht der Jenner von Vergutz und Seebegg entstam-mende Brixner Domherr Dr. Matthias Jenner 1686 mit seinem aus Bergwerksbetriebstammenden Vermögen gestiftet hat( vgl. Der Schlern 60 Jg., 1986, S. 507-568).Daher kann dieses heute noch blühende Frauenkloster, das soeben sein 300jährigesBestandsjubiläum gefeiert hat, auch als höchst eindrucksvolles Denkmal alter tiroli-scher Bergwerkskultur bezeichnet werden. Im 10. Kapitel erörtert H. ,, Die Fülle derNamen", die besonders bei Benennung von Stollen begegnen. Weitere Abschnittegelten dem Sagengut und Volksglauben, berichten über Allerlei Kunde von Boden-schätzen und Fundglück, über Reiche Ausbeute, Hoffart und bestraften Frevel,mythische Erscheinungen, geheimnisvolle Fremde als Mineraliensucher"( so z. B.die sog. Venedigermandln"), über Brauch, Fest und Spiel und Liedüberlieferung.Das 14. Kapitel Symbolik, Strahlkraft und Ausklang beschließt die gehaltvolleDarstellung, der noch eine dankenswerte Erklärung bergmännischer Fachausdrückesowie ein reichhaltiges Literaturverzeichnis folgen. Ein Orts- und Personenverzeich-nis sowie ein Verzeichnis der sorgfältig ausgewählten, instruktiven Abbildungenbeschließen das wohlgelungene Werk. Für eine eventuelle Neuauflage sei noch derWunsch geäußert, H. möge auch das ihm vertraute Nordtirol miteinbeziehen, dessenBergwerke er ohnehin wiederholt erwähnt, geradeso wie das von ihm häufig heran-gezogene ,, Schwazer Bergbuch" auch das ganze alte Tirol berücksichtigt. Durch Mit-einbeziehung der Haller Salzknappen, die häufig zugleich Nebenerwerbsbauern"waren, käme zudem ein gegenüber den Erzknappen weniger mobiles Element zurSprache. In der vierschiffigen Pfarrkirche zu Schwaz war die ganze südliche Hälftedem Bergvolk vorbehalten, eine 2,30 m hohe hölzerne Scheidewand trennte bis 1858herauf das Gotteshaus in zwei Kirchen unter einem Dach. In der zweischiffigenPfarrkirche zu Rattenberg war gleichfalls ein Schiff dem Bergvolk vorbehalten. ZuSt. Vigil in Thaus hat sich eine eigene Knappenkirche erhalten, an der jahrhunderte-lang eine eigene Bruderschaft bestand, was alles das Streben der Bergwerksver-wandten auch nach sakraler Sonderstellung erweist.

Nikolaus Grass

-

Kurzführer. Die-

Hans Grießmair, Volkskundemuseum Dietenheimtenheim/ Bruneck, Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde,( 1986), 48 Seiten,zahlreiche( nichtnumerierte) Abb.( Zeichnungen von R. und G. Asche),1 Museumsplan.

Nach den Worten des Verfassers ,, soll dieses kleine Büchlein den Besucher aufseinem Gang durch das Museum als ein Leitfaden begleiten und ihm einige wichtigeFingerzeige zum besseren Verständnis geben". In der Tat aber meldet sich damit dasseit 1977 unter großen Schwierigkeiten und mit dem ganzen persönlichen Einsatzseines Begründers und Leiters aufgebaute Südtiroler Landesmuseum für Volks-kunde in seinem nunmehrigen Vollausbau zu Wort. Wer das Land näher kennt undum die permanente Verschleppung seiner Kunst- und Kulturgüter seit über einemJahrhundert weiß, der wird dieses neue Volkskundemuseum und die damit voll-

367