Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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,, kunia", eine Form eines Volksparlaments in Zypern( S. 441–446), von G. Chytirisüber traditionelle Osterbräuche und Ostersonntagsumzüge in Korfu( S. 447–455),von V.-T. Russu über eine fast unbekannte Anthologie neugriechischer Poesie ausdem Jahre 1841( S. 455-460), von K. Papathanasi- Musiopulu über ein Lied-Gedicht eines kretischen Freischärlers über den Makedonischen Befreiungskampf,und von D. Lukatos über einen Volkskundlichen Schülerverein aus dem Jahre 1909( aus Amfissa in Zentralgriechenland)( S. 465–471).

Abschnitt IX ist den Buchbesprechungen gewidmet( S. 475-573); auf den fast 100Seiten sind 40 Bücher und Zeitschriften, europäische und griechische, besprochen,darunter auch die Ausstellungskataloge des Ethnographischen Museums in Kittseeund des Österreichischen Museums für Volkskunde. Besondere Beachtung bedarfauch Abschnitt X mit einer Bibliographie die volkskundliche Literatur Griechen-lands betreffend aus den Jahren 1982-1984, die mit ihren Hunderten von Angabendem Fachmann ein unentbehrliches Hilfsmittel darstellt( S. 577-622). Im AbschnittXI folgen Nekrologe( S. 625–637) u. a. auch auf Robert Wildhaber( 1902-1982)( mit Photo), und Abschnitt XII bringt die Akten der Vollversammlungen des Ver-eins, jährliche Abschluß- und Tätigkeitsberichte, Rechnungslegung usw.( S. 639–662). Die letzten Seiten füllt wie immer der analytische Bandinhalt, aufge-schlüsselt nach Themen und Autoren, in Griechisch und Französisch.- Alles inallem ein beachtlicher Band, der Leistungsstand und Vitalität der griechischenVolkskunde und ihrer traditionsreichen Gesellschaft in schwieriger Zeit bekundet.Walter Puchner

Folklore und mündliche Kommunikation(= Narodna Umjetnost/ Sonder-heft). Zagreb 1981, 189 Seiten.

Die bekannte Zagreber volkskundliche Zeitschrift Narodna Umjetnost hat sichentschlossen, ein special issue" zur Frage der Oralität als Merkmal der Folklore her-auszugeben. Sie ist, wie dem auf S. 9-10 abgedruckten Rundschreiben zu entneh-men ist, mit hohem Problemverständnis an diesen Themenkomplex von Mündlich-keit und Schriftlichkeit in der folkloristischen Kommunikation herangegangen.

Der erste Beitrag entstammt der Feder von Hermann Bausinger und hat den prä-gnanten Titel Mündlich( S. 11-15), wo die Problematik zuerst einmal in ihrerReichweite erfaßt wird: Weder alles, was mündlich vermittelt wird, kann Gegen-stand folkloristischer Erforschung sein, noch ist, mündlich" ein exkludierendes Cha-rakteristikum folkloristischer Kommunikation. Kommunikation, Diffusion( viel-leicht besser Distribution) und Tradierung verlaufen in unserer Schrift"-Kulturkaum noch über längere Strecken ausschließlich im oralen Medium. Die audiovisuel-len Medien stellen demgegenüber auch eine neue Form der Mündlichkeit dar.Hermann Strobach geht der Dominanz des Mündlichen in der Folkloretheoriehistorisch nach: Sein Beitrag lautet Direkte mündliche Kommunikation als Krite-rium für das Wesen der Folklore? Zur historischen Fundierung des Problems"( S. 17-29) und gelangt auch zu einer Begriffspräzisierung: richtiger sei es, vonmündlich- gedächtnismäßiger Tradierung zu sprechen, weil sonst dieser spezifischeKommunikationsvorgang von den Medien etwa nicht unterscheidbar bliebe. Auf dergedächtnismäßigen Reproduktion beruhten ja auch die Charakteristika der Struk-turstabilität und der Detailvarianz. Die direkte, auf der, mneme" basierende Kom-

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