Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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ein aktuelles und auch kulturelles Problem aufzugreifen und Lösungsmöglichkeitenzu zeigen: Vor nicht allzulanger Zeit war das für die Volkskunde noch eine wichtigeAufgabe. Kehrt sie, die Volkskunde, von den, Problemen" zu den, Fakten" zurück?Olaf Bockhorn

Laografia, Bd. 33( 1982-1984). Athen 1985, 680 Seiten, 31 Abb. auf Taf., 5 Abb.im Text, 2 Karten.

Das Organ der griechischen Volkskundlichen Gesellschaft, das nun etwa alle dreiJahre, allerdings in voluminöser Form, erscheint, bietet neben der traditionellenInhaltsstrukturierung nun eine neue, übersichtlichere Gliederung nach Themenkrei-sen. Die durchgehende redaktionelle Kommentierung von Prof. Dem. Loukatosgibt dem Band überdies, trotz der verschiedenen Beiträge, eine einheitliche Ver-klammerung. Zu begrüßen ist überdies der neue umfangreiche Bibliographieteil, derdie nur sehr verzögert erscheinende( wesentlich zu Beginn der siebziger Jahre ste-hengebliebene) Bibliographie des Forschungszentrums für Griechische Volkskundeder Akademie Athen ziemlich gut ersetzt und die wichtigste laufende volkskundli-che, griechische und fremdsprachige Bibliographie in analytischer Kommentierungbringt.

Der erste Teil des umfangreichen Bandes ist eine Hommage an Samuel Baud-Bovy, Studien aus einem Festschriftband für den bekannten Schweizer Musikethno-logen und Gräzisten, der allerdings nicht zustande gekommen ist. Er umfaßt eineStudie von Linos Politis( S. 7-19), Manusos Manusakas( S. 20-32) über das erste,von Crusius 1584 veröffentlichte griechische Volkslied, eine analytische Studie desPräsidenten der griechischen Volkskundlichen Gesellschaft, Dem. Loukatos, LePsaume 103 de David et son influence sur le parler proverbial des Grecs( S. 33-41),und eine Untersuchung über Hirtenflöten im Forschungszentrum für GriechischeLaographie der Akademie Athen von Despoina Mazaraki( S. 42-50, mit 10 Abb.auf Taf.).

Der zweite Teil mit thematischem Schwerpunkt auf Volksglauben/ Traditionen/Volksreligion bringt eine umfangreiche Studie von Th. P. Kostakis zu Gottheitenund Dämonen in den religiösen Volksvorstellungen von Tsakonien( S. 53–92),,, Eine seltsame Überlieferung zur Drachentötung aus Epidaurus in Lakonien"( Pelo-ponnes) von E. P. Alexakis( S. 93–104), Historische und religiöse Sagen aufTinos" von G. N. Amiralis( S. 105-116), eine Sammlung von 30 Sagen, ReligiösesLeben und volkstümliche Bräuche bei den Griechen in Kanada" von ProtopresbyterKonst. Chalkias( S. 117-128)( zu diesem aufblühenden Forschungszweig der Dia-spora- Volkskunde sei auch auf die flandrische Studie von Ioannis Kalfas verwiesen, Hedendaagse huwelijksgebruiken bij 41 Griekse paren in de Gemeente Genk voorde Jaren 1977-1982. Ethnologia Flandrica 1, 1985, S. 46-65, mit 6 Photos),,, Jerusalempilgerinnen aus Kastellorizo in Perth in Australien von V. I. Chrysan-thopulu( S. 129-154, mit 4 Abb.).

Der dritte Teil ist der Volkserzählung und dem Rätsel gewidmet. Die erste Studie,vom Nestor der Klassischen Philologie in Griechenland, Ioannis Kakridis, Eingriechischer Salomon( S. 157-162), bezieht sich auf eine Anekdote auf einemOxyrhynchos Papyros aus dem 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr.; die zweite ist eine grie-chische Übersetzung des französischen Referats des verstorbenen Altmeisters der

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