Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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erweiterte sich die Kompetenz des Schlosserhandwerks immer mehr, im 16./17.Jahrhundert kamen Fensterkörbe, Gitter und Grabkreuze hinzu, im 17./18. Jahr-hundert Ausleger und Hauszeichen von starker Bildhaftigkeit und zeichenhaftemRechtscharakter. Die ausgewählten Objekte zeugen von einer hohen Kunstfertig-keit und der Beherrschung komplizierter und aufwendiger Techniken, die heutemeist verlorengegangen ist.

In einem weiteren Schauraum kommt das Handwerk der Spengler und vor allemdas der Schmiede zur Geltung. Im Schmiedehandwerk gab es schon früh eine starkeDifferenzierung, eine Abspaltung in Huf- und Wagenschmiede, Pfannenschmiede,Zirkelschmiede oder Messerer, um nur einige zu nennen. Das Eisen vom SteirischenErzberg wurde hauptsächlich in der Eisenwurzen, deren Name sich von der dort frü-her ansässigen Kleineisenindustrie ableitet, mit ihren Hauptorten Waidhofen an derYbbs, Ybbsitz, Lunz, Scheibbs, Purgstall, Gresten, Steyr, Gaflenz- Weyer undLosenstein zu Werkzeug, Gerät und Hausrat verarbeitet und exportiert. Die ausge-wählten Beispiele, meist einfaches Gebrauchsgerät, Werkzeug, Gerät für Herd undKüche und Beleuchtung, stellen einen gewissen Gegensatz zu den oben erwähntenSchlosserarbeiten dar, ihre schlichte Form und die sparsame Verzierung sind meistauf Zweckbestimmung ausgerichtet. Ausnahmen bilden hier nur die Waffeleisen mitihren kunstvollen Gravierungen, in denen zu Festzeiten dünne Kuchen gebackenwurden.

Der dekorative Aspekt und der symbolhafte Charakter treten zum Schluß nocheinmal mit Arbeiten von Spenglern in den Vordergrund, mit dem Wasserspeier, denWind- und Wetterfahnen und den Giebelzierstücken. Letztere sollten als eiserneHeilige" das ihnen anheimgestellte Haus beschützen.

Pultvitrinen mit altem Werkzeug, das Schmiede und Schlosser bis in die Gegen-wart verwendeten, und mit Technologie- Blättern für Klempner sollen einen Ein-druck von der Arbeitsweise dieser drei Handwerke vermitteln.

Zur Ausstellung ist ein gedruckter Katalog( 56 Seiten mit 33 Abbildungen) er-schienen.Gudrun Hempel

Bericht vom 19. Internationalen Hafnerei- Symposium 1986 in Nordungarn( durchgeführt als keramische Exkursion vom 10. bis 16. August 1986)

Mit ca. 40 Teilnehmern fuhr der Arbeitskreis für Keramikforschung mit demOrientexpreẞ Glossar ::: zum Glossareintrag Orientexpreẞ in einer heißen, zehnstündigen Reise nach Budapest. Die Exkursionwar von unseren ungarischen Freunden und Kollegen( vor allem E. Istvan) bestensvorbereitet worden. Auf der Fahrt wurden wir während der gesamten Woche vonM. Kresz, einer Nestorin der ungarischen volkskundlichen Keramikforschung,begleitet, zu fast jedem nordungarischen keramikhaltigen Museum geführt und dannjeweils intensiv informiert. Nicht vergessen sei die sorgfältige und sehr solide techni-sche Durchführung der Exkursion durch ein Budapester Reisebüro( Pegazus).

Die in Ungarn meist ca. 50 Teilnehmer zählende Gruppe wurde gleich zu Beginnmit der riesigen keramischen Sammlung des Ethnographischen Museums kon-frontiert, die ihresgleichen mit Sicherheit nicht so schnell finden wird. Wenn die imwahrsten Sinn des Wortes unübersehbare Masse von ca. 20.000 Objekten( in den

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