Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Mitteilungen

,, Auch ich hatte ein Papiertheater"*)

Von Friedrich Langer

Als ich von der Ausstellung Papiertheater im Österreichischen Museum fürVolkskunde las und hörte, erinnerte ich mich an mein eigenes Papiertheater. Es hatdazu geführt, daß ich mich später ziemlich intensiv mit dem Theater auseinander-

setzte.

Mein Theater ging leider im Zuge der russischen Besetzung von Eisenstadt, wo ichmeine Jugendjahre zusammen mit meinen Eltern verbrachte, zugrunde. Es warirgendwo verpackt am Dachboden gestanden. Während der letzten Jahre, als ich imKrieg und später auf der Universität war, habe ich es nicht mehr gesehen. Mit 13, 14,15, 16 Jahren gehörte ihm aber meine ganze Liebe.

Bekommen habe ich mein Papiertheater zu Weihnachten. Monate vorher hattenmeine Eltern ganz geheim in mühevoller Arbeit angefangen zu schneiden, zu schnit-zen, zu malen und zu kleben. Es war eine riesengroße Kiste mit einem prunkvollenAufbau. Es war ein Theater mit Kulissen, Soffitten, Hintergründen und den entspre-chenden Figuren, wie es die Inszenierungen verlangten. Den Verlag weiß ich nichtmehr. Die Ausschneidebögen wurden jedenfalls in Österreich gekauft, und mankonnte nachträglich weitere Bögen erwerben. Schließlich besaß ich 5 vollständigeInszenierungen: den Freischütz"; eine Aida", ganz eigenartigerweise, mit einerwirklich schönen Wüstendekoration; einen Siegfried" samt dem Drachen; einen,, Wilhelm Tell und einen Faust". Der Faust war so ziemlich das Interessanteste.

Für meine Aufführungen kam mir mein Onkel zustatten. Er hatte ein Elektro-geschäft. Das war in den dreißiger Jahren. Damals war ein Elektrogeschäft nochkeine so tolle Angelegenheit wie heute. Es gab noch keine elektronischen Geräte,keine Recorder. Aber es gab Batterietaschenlampen, sogar mit gefärbtem Glas. Diestellte ich seitlich hinter die Kulissen. Auf diese Weise erzielte ich tolle Beleuch-tungseffekte. Später, in meinem Theaterleben, hatte ich ein Studententheater. Eswar das heute schon legendäre Studententheater in der Kolingasse, worüber esbereits Dissertationen gibt. Über das Studio der Hochschule", wie es hieß, soll

*) Vortrag im Rahmen der Ausstellung Papiertheater" am 21. Februar 1986 imÖsterreichischen Museum für Volkskunde.

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