Die Bilderhändler von Tesino
und der Verlag Remondini zu Bassanoim alten Venetien*)
Von Oskar Moser
Für die Volkskunde als modernes wissenschaftliches Fach vonheute mag als besonders kennzeichnend gelten, daß diese sich zumeinen von voreiligen Weitbezügen in der Erklärung bestimmterSachverhalte deutlich distanziert und daß sie sich zum andern auchvon einer gewissen Verlockung der„ mythischen Kategorie derDauer", die man nach H. Bausinger gerne als Tradition schlechthinkaschierte, freihält. Dies aber bedingt eine geänderte Einschätzungvon vielerlei Vorhandenem und erschließt neue Perspektiven füruns, bedingt aber auch eine neue Systematik und Einstellunggegenüber unseren Quellen, verlangt nach ergänzenden Metho-den, um so im Netz der Koordinaten von Raum und Zeit undSozialgefüge zu einem neuen und gültigen, bleibenden Verständnisder Wechselbeziehungen zwischen oben und unten in der Gesell-schaft, von Volkskultur und Hochkultur zu gelangen.
Auch das, wovon hier weiterhin zu reden sein wird, möchte ichals eine entsprechende Umsetzung in dieses erweiterte und neueKoordinatennetz verstehen, denn die historischen Fakten und dieeigenartigen, seit je bestaunten Leistungen und Lebensformen der,, Bilderhändler von Tesino", Bewohner dreier abgelegener Berg-dörfer in der unteren Valsugana hart an den Ostgrenzen der altenProvinz Trient zu Venetien, sind an sich ja nicht völlig neu. Diese
*) Nach einem Vortrag zur Generalversammlung des Vereines für Volkskunde 1986in Wien am 14. März 1986, hier mit Nachweisen und Fuẞnoten versehen sowie ineinigem inhaltlich ergänzt.
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