Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Wie meist bei solchen Darstellungen in Bild und Text wird über das konkreteThema hinaus viel über Musikinstrumente, Geräte, Tracht und Verhaltensweisendes Volkes ausgesagt. So bleibt die Einfassung manchmal interessanter als dasZentrum.

Sachkundige Einführungen und Erklärungen helfen, viele Details aufzuschlüs-seln. Die Verantwortung für die gesamte Ausgabe hat bei Octavian O. Ghibu ge-legen.

Jedenfalls befriedigt das Werk die Neugier, welche der Ausstellungskatalog wach-gerufen hat.Felix Karlinger

Georg A. Weth, Märchentraum der Karibischen Inseln. Alte und neueMärchen(= Inselmärchen der Welt bei nymphenburger). München, Nymphen-burger Verlagshandlung, 1986, 160 Seiten, 32 Farbfotos.

Das Buch richtet sich an einen weiteren Leserkreis und ist daher nicht volkskund-lich akzentuiert. Das erweist sich an den fehlenden oder ungenauen bibliographi-schen Angaben, wo man für entsprechende Hinweise dankbar gewesen wäre.

Die Anzahl der Texte ist jedoch treffsicher und charakteristisch; ebenso sind dieÜbersetzungen gediegen und stilsicher, wenn auch mitunter etwas frei. Der Autorhat 15 Insel( be) reiche erschlossen und sowohl auf den alten Erzählfundus zurück-gegriffen als auch neuere Motive aufgegriffen und nacherzählt. Das Bemühen, einBild der sehr unterschiedlichen Inseln im Spiegel ihrer manchmal mehr sagenhaftenals märchenspezifischen Erzählwelt zu vermitteln, ist im wesentlichen gelungen,soweit man das bei gleichzeitigem Verzicht auf die originale Sprache und Ausdrucks-form vermag.

Die kurzen einführenden Texte zu den einzelnen Inseln erfüllen ihren Zweck, derjeweilige Vorspann zu den Texten selbst fällt hingegen etwas sparsam aus und ver-mag im allgemeinen keine weiterführende Einsicht zu erschließen. Der Begriff Märchen ist zu sehr literarisch aufgefaßt, und so kommt manches mehr anekdoti-sche Material- wie ,, Rum und Voodoo"- zur Aufnahme. So erreicht das Bucheine Spannweite zwischen urtümlichen Volkserzählungen und Situationsschilderun-gen, die zuweilen etwas verwirrend wirken können.

Verwundert beobachtet man, daß auf den Cayman Islands mexikanische Märchenindianischer Provenienz auftauchen, doch ist eine solche Übertragung durchausdenkbar. Wo man europäisches Erzählgut eingeschmolzen hat, muß auch die Auf-nahme mexikanischer Geschichten möglich gewesen sein. Weth hat die mexikani-sche Herkunft klar erkannt und darauf verwiesen.

Die Literaturangaben konzentrieren sich mehr auf geographische, belletristischeReisebücher und kulturdarstellende Werke; dabei kommt die ethnographische undvolkserzählkundliche Seite leider zu kurz.

Von diesen Einschränkungen abgesehen, bleibt es zu begrüßen, daß hier ein peri-pherer Bereich der Erzählwelt zu Wort kommt.

Felix Karlinger

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