Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Das Buch liest sich sehr flüssig und verständlich, und es versteht dennoch ein hoheswissenschaftliches Niveau einzuhalten. So bildet es zweifellos einen wertvollen Bei-trag zur Volksglaubensforschung.

Felix Karlinger

Picu Pătruţ, Miniaturi şi Poezie. Evocări de Zoe Dumitrescu Buşulenga şiVasile Dragut. Studiu introductiv de Octavian O. Ghibu şi Crişan Mircioiu.( Asociaţia Româna Bucureşti) 1985, 195 Seiten, 112 Farbtafeln.

Im Heft 3/4 des Jahrgangs 1985 der ÖZV( S. 284) haben wir auf den Ausstellungs-katalog hingewiesen, der dem bäuerlichen Maler und Dichter Picu Pătruţ gewidmetwar. Nun ist ein umfangreicher Band erschienen, mit dessen Hilfe man ein gutes Bildüber die volkstümlich- naive Kunst dieses Autors" gewinnen kann. Es ist ein rusti-kales Schicksal, wie wir deren mehrere kennen. Der 1818 in Sălişte( Siebenbürgen,wenige Wegstunden von Hermannstadt entfernt) geborene und dort 1872 verstor-bene Picu war körperlich zu schwach für die schwere Landarbeit und wurde so Mini-strant und später Sakristan seines relativ großen Heimatdorfes. Nach Besuch derVolksschule hat er sich als Autodidakt weitergebildet, und da er stets im Bereich sei-ner heimatlichen Welt verblieben ist, vermischten sich in seinem Werk Volkskunstund individuelle Kulturbegabung.

Seine Bilder zeigen nicht nur eine im Technischen mitunter schwerfällige Hand,einen naiven Ausdrucksgehalt und eine gewisse Abhängigkeit von Vorbildern, son-dern lassen auch eine unübersehbare Originalität und Einfallskraft erkennen. Derliebenswürdige Darsteller bleibt wohl im Rahmen des Herkömmlichen, aber ergestaltet nach seinen persönlichen Vorstellungen. So beschäftigen sich denn auchvon den 112 abgebildeten Tafeln nicht weniger als 29 mit apokryphen oder legendä-ren Szenen, und weitere 7 Tafeln haben Episoden zum Inhalt, die nichts mit derBibel zu tun haben; sie zeigen volkstümliche Elemente aus dem Umkreis der Bauernund Hirten. Solche Tendenzen zeigen sich auch häufig bei der Darstellung vonAbschnitten aus kanonischen Texten.

Man staunt, wenn man erfährt, daß dieser einfache Sakristan 3000 Miniaturen ent-worfen hat, Szenen, Porträts, Frontispizien, Vignetten und Initialen, alle in derschlichten Volksmalerei gehalten, wie wir sie auch sonst aus dem vielseitigen Fundusder rumänischen Volkskunst kennen.

Daneben steht aber noch ein beträchtliches lyrisches Werk, etwa 500 Gedichteumfassend, teils im Stil von religiösen Volksballaden, teils in der Art der weihnacht-lichen Volkslieder. Das längste Gedicht umfaßt in epischer Breite 3128 Verse und istdem alttestamentlichen Josef gewidmet. Auch der in der gesamten Romania beliebtehl. Alexius wird in einem Lied besungen.

Ja, Pătruţ hat auch Melodien dazu komponiert- ebenfalls in der Art der rumäni-schen Volksmusik gehalten, aber sie leider nicht aufzeichnen können; doch wur-den wenigstens einige Melodien durch Verwandte tradiert und später auch notiert.

In allem zeigt sich eine Sicherheit des Stilgefühls, das nie die Grenzen des Schlich-ten überschreitet, doch innerhalb dieses Raumes alle Möglichkeiten ausschöpft, einereiche Phantasie farbig auszudrücken.

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