Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Claude Lecouteux, Fantômes et revenantes au moyen âge. Postface deRégis Boyer. Paris, Editions IMAGO, 1986, 253 Seiten, zahlreiche Abbildungen.

Lecouteux ist den Lesern dieser Zeitschrift bereits aus verschiedenen Rezensio-nen bekannt, wie dem dreibändigen Werk über die Monster im Mittelalter.

Im vorliegenden Werk weist er sich als Spezialist für Phantome und Wiedergängeraus. Der Schwerpunkt seiner Untersuchungen liegt dabei im germanischen Raum,so daß wir vor allem auf Verweise von nordischen Quellen und deutschen Sagenstoẞen. Immer wieder besticht dabei die saubere Methodik, ob es sich nun um philo-logische Wortanalysen oder um die Interpretation kulturanthropologischer Phäno-mene handelt.

Aber wenn auch der Akzent im germanischen Bereich liegt, so versucht Lecou-teux doch auch einzubeziehen, was sonst an wichtigen Quellen seit der Antike- undinsbesondere bei den Kirchenvätern- vorliegt. Stufenweise entwickelt er dabei dievolkstümlichen Vorstellungen, die mit dem Tod und den Toten zusammenhängen.Insbesondere findet die Welt des Traumes verdiente Beachtung, hat sich doch hiermanche Figur manifestiert, da vielfach unter konkreten Bedingungen auch imWachen traumhafte Stimmungen sich einstellen konnten.

Der Autor betrachtet getrennt in drei Kapiteln Revenants scandinaves,, Reve-nants et fântomes anglais und ,, Revenants et fântomes allemands", wobei wir sogarder Gestalt der, weißen Dame" begegnen, von deren Erscheinungen ja bis in unserJahrhundert berichtet worden ist.

Zu bedauern ist vielleicht, daß L. nicht auch auf die griechischen Wiedergängereingegangen ist; steckt doch vermutlich in neugriechischen Balladen und Sagen derAusgangspunkt für die Verbreitung des Lenoren- Stoffes.

Sehr aufschlußreich sind die Abschnitte: Qui revient?, Pourquoi revient- on?", A quel moment ont lieu ces événements?, se manifestent les revenants?" und,, Comment se débarrasser des revenants?".

In einem dritten Abschnitt werden Fragen nach Unterschieden zwischen prae-animistischen und animistischen Deutungen aufgegriffen und der, böse" und der gute Tote einander gegenübergestellt. Freilich fehlt dabei der Typus des dankba-ren Toten, den Lecouteux wohl einer anderen Dimension zuordnet.

Die letzte Kapitelgruppe Revenants déguisés enthält einen weitgespanntenÜberblick über die breit ausstrahlenden Spuk- und Gespenstergeschichten mitexemplarischen Hinweisen.

Insgesamt ist viel wichtiges Material zusammengetragen und nicht nur analysiert,sondern auch wieder in einer Synthese zusammengerafft. Man wird das eine oderandere Einzelmotiv vermissen, das bei uns eine gewisse Rolle gespielt hat, dochkonnte das Buch bei diesem Umfang nicht vollständig sein. Auch ist zu bedenken,daß es für einen französischen Leserkreis geschrieben ist, der mit anderen Voraus-setzungen, aber auch anderer Akzentuierung des Interesses an diesen Fragen-komplex herangeht. So ist auch zu erklären, daß die Bibliographie vor allem franzö-sisches Schrifttum berücksichtigt, während manche deutsche AutorenNaumann vernachlässigt werden.

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wie Hans