Meines Erachtens müßte das ausgezeichnete Werk von V. Butură auch in deut-scher Sprache erscheinen. Vielleicht dürfte diese kurze Besprechung auch die Auf-merksamkeit eines westeuropäischen Verlegers erwecken...
Béla Gunda
J. Péntek- A. Szabó, Ember és növényvilág( Mensch und Pflanzenwelt).Bukarest, Kriterion, 1985, 368 Seiten.
Das vorliegende Buch, erschienen in Rumänien in ungarischer Sprache, gelangtsehr wahrscheinlich nur in ganz wenigen Exemplaren auf den Tisch westeuropäi-scher Volkskundler oder in die Bibliotheken der Museen. Dabei verdient es europa-weite Aufmerksamkeit, zumal es durch das Zusammenwirken eines Volkskundlersund Sprachwissenschaftlers sowie eines Botanikers entstanden ist. Die Verfasserschildern die natürliche Vegetation einer typischen siebenbürgischen Landschaft( Kalotaszeg, rum. zona Cälata) und ihrer Umgebung sowie ihre ungarischen, zumTeil rumänischen ethnobotanischen Beziehungen. Aus den botanischen Kapitelnmag die Volkskunde besonders an folgendem interessiert sein: Welche Pflanzen wer-den dem Menschen von den Naturverhältnissen geboten? Wie hat der Mensch aufdie natürliche Pflanzendecke eingewirkt? Wie hat sich die anthropogene Vegetationentwickelt, die auch die verschiedenen Phasen und Formen menschlicher Arbeitdeutlich widerspiegelt? Das Volk von Kalotaszeg sammelt zahlreiche Pflanzen fürdie Ernährung von Mensch und Tier. In den Bauernwirtschaften werden uralte undneue Kulturpflanzen gezüchtet. Um jede Kulturpflanze entwickelte sich eine typi-sche kulturelle Ökologie, beeinflußt durch die Bildung und das unterschiedliche kul-turelle Erbe der konsumierenden Bevölkerung. Ausführlich beschreiben die Verfas-ser die Züchtung von einigen neueren und älteren Pflanzen( Einkorn, Bohnen- undKürbissorten, Erdapfel). Aus dem Mehl des Einkorns( Triticum monococcum)wurde fast bis zu unseren Tagen Brot gebacken. Die Akklimatisierung der Garten-blumen hält noch immer an, denn es werden zahlreiche Gewächse aus Wald und Flurnach Hause gebracht und im Garten weiter gepflegt. Die Verfasser beachten auf-merksam die in Friedhöfe oder neben Kreuze am Straßenrand gepflanztenGewächse, die Färb- und Heilpflanzen sowie die Pflanzen der Kinderspiele. In denBauernwirtschaften bezeugen die Gerätehölzer umfangreiche Kenntnisse des Mate-rials. Es besteht zudem eine reichhaltige Pflanzenmythologie. Häufig dienen diePflanzen als Kommunikationszeichen und spielen eine vielfache ästhetische Rolle.Unzählige Details möchte ich aus dem Buch hervorheben, doch wäre damit der Rah-men einer Buchbesprechung bei weitem überschritten. So will ich mich auf einesbeschränken: In Kalotaszeg( im übrigen Siebenbürgen auch von Sachsen und Rumä-nen) wird Trifolium arvense unter die blühenden Gurken geworfen, um eine reicheErnte zu sichern. An dieser Stelle möchte ich die verehrten Leser der Österreichi-schen Zeitschrift für Volkskunde fragen, ob und wo man diesen Brauch in West-europa kennt?
Vorzügliche Fotografien, eine ausführliche Bibliographie und ein Verzeichnis derungarischen, rumänischen und lateinischen Pflanzennamen ergänzen das Buch, wel-ches in der europäischen ethnobotanischen Literatur einen vornehmen Platz ein-
nimmt.
Béla Gunda
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