Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Im Bestand des Wallfahrtsortes haben sich insgesamt 15 qualitätsvolle Votivbildermit Datierungen von 1709 bis 1896, also aus beinahe zwei Jahrhunderten, erhalten.Dieser offensichtliche Restbestand läßt sich Votanten aus namhaften Familien,deren Namen auch in den Gildebüchern der Bruderschaft St. Anna vom 17. bis 19.Jahrhundert wiederkehren, zuweisen. Die Votivbilder besitzen ausgeprägte künstle-rische Qualität, lassen sich der Genter Malerschule des 18. Jahrhunderts zuordnenund enthalten vorzügliche Kinderbildnisse in der â- la- mode- Kleidung ihrer Epoche.

Mit Hilfe des in einem Abdruck aus dem 19. Jahrhundert( 1858), jedoch nichtmehr im Original überlieferten Mirakelbuches- ,, Het boek der miraklen van de hei-lige Moeder te Bottelare"-, mit der Aufzeichnung von 62 wunderbaren Gescheh-nissen aus den Jahren 1624 bis 1857, war es dem Verfasser möglich, den Inhalt, dieIkonographie und die Familienkunde dieses flämischen Votivbestandes zu interpre-tieren, die solcherart eine wichtige Quelle für die Volksfrömmigkeit und Lebensweltim Ostflandern des 18. und 19. Jahrhunderts darstellt. Dem Autor ist für die auchmit Bildern reichlich ausgestattete Arbeit zu danken.

Klaus Beitl

Valer Butură, Enciclopedie de etnobotanică românească( Wörterbuchder rumänischen Ethnobotanik). Bucureşti, Stiinţifică şi Enciclopedică, 1979,281 Seiten.

Nicht erst seit jüngster Zeit haben die rumänischen ethnobotanischen Forschun-gen höchsten Stellenwert in ganz Europa. Bereits im vergangenen Jahrhunderterschienen zahlreiche ethnobotanische Abhandlungen aus der Feder von S. Fl.Marian sowohl in Rumänien als auch in rumänischen Zeitschriften Ungarns. Dierumänischen ethnobotanischen Forschungen des 20. Jahrhunderts wurden durch diePersönlichkeit des hervorragenden humanistischen Professors Al. Borza( Klausen-burg) geprägt, der noch im Jahre 1918 eine grundlegende Abhandlung über denrumänischen Bauerngarten geschrieben hat.( Zu den unvergänglichen Erlebnissendes Rezensenten gehören die Gespräche mit Professor Al. Borza). Ein weitschichti-ger Schüler von Al. Borza, V. Butură, ist der Verfasser der vorliegenden Arbeit.Nach einer klassischen Zusammenfassung der Probleme und Aufgaben der Ethno-botanik erörtert er die Bedeutung der Kultur- und Wildpflanzen in der rumänischenVolkskultur. An Hand der rumänischen und lateinischen Terminologie beschreibter die botanischen Eigenschaften von vielen Hunderten von Pflanzen sowie ihreFunktion in der Ernährung, bei der Herstellung von Geräten, zum Färben, in derVolksheilkunde, in magischen Praktiken, im Volksglauben, in den Volksbräuchen,Legenden usw. Viel Aufmerksamkeit widmet V. Buturä der geographischen Lokali-sierung unterschiedlicher Verwendungsarten.

Der ausländische Forscher kann von der vorzüglichen Bibliographie sehr viel pro-fitieren. Ergänzungshalber möchte ich mir allerdings eine Bemerkung erlauben: Eswäre schon nützlich gewesen, auch die einschlägigen Publikationen der deutschen( E. Fischer, A. Schmidl, P. Schullerus) und der ungarischen( J. Péntek) sowie derrumänischen Ethnographen( G. Moldovan) aufzuarbeiten und im Vorwort dieTätigkeit von H. Marzell zu erwähnen.

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