Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Hildegard Gehrer- Schwarz, Gealtbittelwäsch. Ein Beitrag zur VorarlbergerFasnachtsforschung(= Ländle- Bibliothek, Band V). Dornbirn, Verlag Buch Spe-zial, 1986, 132 Seiten.

Die Geldbeutelwäsche am Aschermittwoch wird in ganz Österreich nur in der Bre-genzer Altstadt geübt. Wenn man die Augen an der Grenze schloß im benachbar-ten Südwestdeutschland ist dieser Fasnachtsendbrauch recht verbreitet- und es mitder Historie nicht allzu genau nahm, dann konnte geruhsam von einem alten"Brauch gesprochen werden. Daß dem nicht so ist, zählt sicherlich zu den Verdienstendieser Monographie, die als Seminararbeit bei Prof. Hugger in Zürich entstandenist. Hildegard Gehrer- Schwarz gelingt es, die geographische Verbreitung diesesBrauches im Bodenseeraum festzulegen und dessen Einführung in Bregenz zu datie-ren. 1922 wurde die Geldbeutelwäsche von einem nach Bregenz gekommenenGesellen quasi mitgebracht. Es ist dies ein schönes Beispiel für die Innovations-freudigkeit wandernder Gesellen und zeigt auf, wie notwendig eine intensivere For-schungstätigkeit gerade über das Handwerkermilieu wäre. Daß die Geldbeutel-wäsche zu einem Alt- Bregenzer Brauch mit der besonderen Betonung, etwa derlokalen Mundart, wurde, hing hier mit dem weiteren Berufsweg der Gesellen zusam-men. Der Brauch bürgerte sich in jenem Maße ein, wie die zugewanderten Hand-werker zu anerkannten Bürgern wurden: In diesem Falle recht erfolgreich. DieserProzeß der Übernahme ist der spannendste Teil des Buches. Es ist ein wenig schade,daß die Autorin diesem nicht weiter gefolgt ist und noch einige Fragen, etwa zurgenauen Diffusion oder zur sozialen Verankerung, offengelassen hat. Trotzdem, esist eine engagierte Studie, die durchaus eine Lücke in der Fasnachtsforschung in Vor-arlberg zu schließen vermag und auch interessanten Fragestellungen, wie der Nicht-Beteiligung von Gastarbeitern oder der Rolle der Frau im Brauchgeschehen, nach-geht. Gleichzeitig werden die neuesten Entwicklungen der Geldbeutelwäsche darge-stellt und recht ausführlich, vor allem bildlich, dokumentiert. Dies trifft auch für dieweitere Einordnung in das Bregenzer Fasnachtsgeschehen zu.

Reinhard Johler

Marcel Daem, Votiefschilderijen en mirakelboek. Sint- Annaverering teBottelare( Mit der französischen und deutschen Zusammenfassung: Peinturesvotives et livre des miracles. La vénération de Sainte- Barbe à Bottelare/ Votiv-gemälde und Wunderbuch[ Mirakelbuch]. Sankt- Anna- Verehrung in Bottelare).Gent, Koninklijke Bond der Oostvlaamschen Volkskundigen in samenwerkingmet Sint- Annagilde te Bottelare, 1982, 119 Seiten, 57 Abbildungen, davon 19farbig.

Die Broschüre von Marcel Daem, die vom Königlich- belgischen Bund der ost-flämischen Volkskundler gemeinsam mit der St.- Anna- Gilde von Bottelare heraus-gegeben worden ist, enthält die Darstellung der Geschichte der unweit von Gentgelegenen Wallfahrtsstätte zur hl. Anna- Selbdritt. Der zeitliche Ursprung dieserWallfahrt liegt am Beginn des 17. Jahrhunderts( 1620); infolge der französischenRevolution wurde die Verehrungsstätte säkularisiert; im Zuge der katholischenRestauration und des Historismus fand der Kult gegen 1868 seine Wiederbelebungim neugotischen Stil.

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