Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
Einzelbild herunterladen
 

Form und Art der Kleidungsstücke, die die eigentlichen Vermittler dieser Sprachesind, näher einzugehen. Franz Kiener hat es getan und in seinem Buch, Kleidung,Mode, Mensch gewisse reale Begrenzungen festgelegt.

Hoffmann schreibt( S. 236): Psychologen können nur für diejenigen Parteiergreifen, die mit ihrer Kleidung sich bekennen, entblößen, um Verständnis für ihreGefühlsbedürfnisse zu erbitten." Er wendet sich damit eindeutig nur an das Indivi-duum und den Ausdruck seiner Gefühle in der Kleidersprache. Warum er aber dafürso viele Tabellen anlegt, die ja eigentlich individuelle Aussagen nur schwer erfassenkönnen, ist kaum verständlich. An einer anderen Stelle( S. 184) wendet er sich gegendie statistische Erfassung von Kleiderbotschaften, basierend auf Standesunterschie-den, Rangordnungen und Machtverhältnissen, die ja eine viel breitere Basis für eineKleidersprache ergeben. Grenzsituationen, wie die des Transvestiten, behandelt er

auch.

Als Abschluß kann man sagen, daß dieses Buch an psychologisch vorgebildete undinteressierte Menschen gerichtet ist, aber wenig zum Verständnis einer allgemeinenKleidersprache beiträgt.

Ingeborg Petrascheck- Heim

Nicolae Dunăre, Broderia populară românească. Sibiu, Editura Meridiane,1985, 135 Seiten, 85 Abb.

Mărginenii Sibiului, Civilizaţie şi cultură populară românească. Coordonatori:Cornel Irimie, Nicolae Dunăre, Paul Petrescu. Bucureşti, Editura Ştiinţifică şienciclopedică, 1985, 411 Seiten.

Am 27. Jänner 1986 hat Prof. Dr. Nicolae Dunăre sein siebentes Lebensjahrzehntvollendet. Seit Leopold Schmidt 1956 und 1963 Werke des international renommier-ten Gelehrten besprochen hat, ist sein Name in dieser Zeitschrift mehrfach wiedererschienen, und auch ein Vortrag am Institut wie am Museum für Volkskunde hatihn darüber hinaus bekannt gemacht. Die Vielseitigkeit seines Œuvres und diebeträchtliche Zahl seiner Publikationen haben stets gebührende Beachtung gefun-den, und seine Gelehrsamkeit fand auch Anerkennung durch zahlreiche Ernennun-gen von Wissenschaftlichen Akademien und Forschungsinstitutionen.

Dunäre hat nicht nur als Lehrer und Betreuer von Doktoranden einen großen Ein-fluß auf die Entwicklung der volkskundlichen Disziplin in Rumänien ausgeübt, son-dern er hat über den akademischen Rahmen seiner Tätigkeit hinaus gerade durchseine vielen Bücher und Aufsätze anregend und befruchtend gewirkt, so daß mangeradezu von einer ethnographischen Schule sprechen kann, die er begründet hat.Aber auch in der Welt außerhalb des engeren Fachbereichs konnte er einen großenKreis von Interessenten gewinnen.

Seine Bibliographie zählt gegen hundert Titel, die sich vor allem den folgendenTeilgebieten der Volkskunde zugewandt haben: 1. dem Hirtenwesen im Karpathen-und Alpenraum; 2. dem Siedlungswesen und den rustikalen Haus- und Hofformen;3. der Volksmedizin und den volkstümlich verwendeten Heilkräutern; 4. den Volks-trachten samt der einschlägigen Textilindustrie; 5. den Ornamenten in der Volks-kunst vor allem in einer komparativen Schau; 6. den Wechselbeziehungen der balka-nischen Bevölkerungsgruppen; 7. der Gliederung und Abgrenzung der verschiede-nen Zonen der rumänischen Volkskultur.

286