lungen grundsätzlich unter volkskundlichen Gesichtspunkten aufgebaut, also auchden jeweiligen Stellenwert dieser Gebrauchsware im gesamtkulturellen Kontextbedacht. Dazu kommt eine kurze Geschichte des ungarischen Töpferhandwerks undwerden zwei besondere Einflußbereiche aus der Frühneuzeit auf dessen Arbeitenherausgestellt, nämlich der Einfluß der Habaner vom Nordosten her und die Auswir-kungen in Brenntechnik und Dekor während der langen türkischen Besatzungszeitin Ungarn. Ein Anhang verzeichnet schließlich auf einer Karte die wichtigstenTöpferzentren im ungarischen Sprachraum- es sind ihrer nicht weniger als übersechzig! und enthält dazu ein viersprachiges„ Ortsregister", eine umfangreicheschematische„ Formenübersicht" zur Volkskeramik nach Mária Kresz, die diesefür die Bestände im Ethnographischen Museum Budapest ausgearbeitet hat, sowieeine Literaturübersicht zum Wichtigsten.*)
Der Katalog ist die erste umfassende Veröffentlichung zur volkstümlichen, d. h.handwerksmäßig hergestellten Keramik für den weiten pannonisch- karpatenländi-schen Raum in deutscher Sprache seit langem. Er dient damit aber nicht bloß derspeziellen Keramikforschung in Mitteleuropa, sondern vermag( vor allem zusam-men mit dem straff gegliederten Ausstellungsmaterial) auch dem Nichtfachmanneinen vortrefflichen Einblick in diesen ungemein vielfältigen und facettenreichen,handwerksgeschichtlich gleichermaßen wie kunstgeschichtlich und volkskundlichertragreichen Zweig der Volkskunst zu geben. Ich meine jedoch, daß er zudem fürjeden eine nützliche und fundierte Orientierungshilfe darstellt, der etwa versucht,die ungewöhlich reichen Schätze der Volkskeramik in einem viel weiteren UmfeldSüdosteuropas zu studieren oder vergleichend zu erfassen und kennenzulernen.
Im Schoße der hochentwickelten ungarischen Keramikforschung betritt man sonicht nur die enorme Galerie wechselnder Geschirrformen und Farbglasurenzwischen reduziert gebrannter,„ schwarzer“ Grobirdenware und fayencenähnlicherGelbhafnerware, man erlebt auch deren Herstellung an der Töpferscheibe, mitPinsel und Malhorn und an bäuerlich- urtümlichen Brennöfen, und man erlebtebenso die Gastlichkeit der klassischen„ Guten Stube" in den Häusern derMenschen, deren Paradestücke nicht nur farbige Möbel und dicht ausgestickteTextilien, sondern zuvörderst die Werke der Krügel- und Schüsselmacher im weitenInnenbecken des Karpatenbogens und bis an die Grenzen Österreichs immer schongewesen sind.
Oskar Moser
*) Über Aufbau und wichtige Details der ungarischen Keramikforschung informieren jetztaußerdem zahlreiche Fachartikel von Erzsebét István im Magyar Néprajzi Lexikon, hrsg. vonGyula Ortutay, Band 1-5, Budapest 1977/82, so unter anderem s. v.„, bokály"( 1, p. 308–311),„, butella“( 1, p. 392-397),„, butykoskorsó"( 1, p. 398–399),„ fazék“( 2, p. 68–71),„ fazekasság"( 2, p. 71-83),„ kancsó“( 3, p. 21-22),„ kerámiajegy"( 3, p. 152-153),„ korsó“( 3, p. 276-277),,, mezőcsáti kerámia“( 3, p. 595–596),„ mezőtúri kerámia“( 3, p. 609–611),„ miskakancsó❝( 3,p. 625-626),„ sárközi kerámia“( 4, p. 412-415),„ szekelyföldi kerámia“( 4, p. 594-595),„ tál,tányer"( 5, p. 160-162),„ tiszafüredi kerámia"( 4, p. 294-297) u. a. m.- Eine sehr handlichekleine Übersicht zur ungarischen Volkskeramik bieten neuerdings Kresz- Kövér, Magyarnépi cserépedények( Reihe: kolibri könyvek), Budapest 1983, 60 Seiten, 29 Farbtafeln.
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