Keramikforschung, der entsprechende Diskussionen seit 1982 intensiv betriebenhatte). Besonders erfreulich ist, daß nun in Ergänzung der Dissertation Schnittzeich-nungen für die Gefäße vorliegen, wenn auch noch durchwegs mit einer vergleichs-weise groben Schraffierung und der Linksorientierung der Handhaben. Für diemünzdatierte Keramik ist ein simultanes Foto wegen des hervorgehobenen Charak-ters als datiertes Objekt natürlich wünschenswert, doch solche nützlichen Dingescheitern ja nie an den Autoren oder den Verlagen, sondern an den allerorten leidi-gen Finanzierungsfragen. Zu ergänzen, vielleicht in Form einer Publikation, wäreeine zusammenfassende Formentafel, die einerseits die Entwicklung besser über-blicken ließe und zudem dem eiligen Benutzer einen ersten informativen Einstieggestattet.
Nun, diese durchwegs marginalen Aspekte sollen und können dem grundsätzli-chen Wert keinen Abbruch tun.„ Die münzdatierte Keramik in Österreich" ist einunverzichtbares Hilfsmittel für die Keramikforschung ab dem Mittelalter im„, cir-cumalpinen" Bereich, dem herzlicher kollegialer Dank und Hochachtung gebührt.Werner Endres
Erzsébet István, Volkstümliche Keramik aus Ungarn. Eine Ausstellung desEthnographischen Museums Budapest. Redaktion: Ingolf Bauer in Zusam-menarbeit mit Joachim Naumann. München, Bayerisches Nationalmuseum,( 1985), 165 Seiten( z. T. farbig), illustriert, 1 Karte, 4 Tafeln zur„ Formenüber-sicht".
In einer Zeit, da in unserem Fach einerseits das Spezialistentum auszuufernscheint, anderseits eine verantwortungslose, flache Büchermacherei ihre Geschäftewittert, sind gediegene, zusammenfassende Übersichten eine wahre Wohltat. Sooder ähnlich stößt es einem aus der Seele, wenn man diesen Ausstellungskatalog zur,, Volkstümlichen Keramik aus Ungarn" zur Hand nimmt, vor allem nach demBesuch der inhaltsreichen dazugehörigen Sonderausstellung, die derzeit( 5. 4. bis26. 10. 1986) im Ethnographischen Museum Schloß Kittee( Burgenland) läuft undvorher in Düsseldorf, Detmold und München zu sehen war. Der schöne Band ist derungarischen Keramikforscherin Erzsébet István sowie der Sammeltätigkeit desEthnographischen Museums in Budapest zu verdanken und wurde in der deutschenAusgabe von Ingolf Bauer( München) und Joachim Naumann( Düsseldorf) redak-tionell betreut.
Dem hübsch bebilderten Katalog( S. 21-153), in dem 258 Objekte teils nachihrem Gebrauchszweck, teils nach ihren Herkunftslandschaften im historischenSiedelraum Ungarns, d. h. im weiten Dreieck zwischen Sopron/ Ödenburg imWesten, Kosiče/ Kaschau im Norden und Braşov/ Kronstadt im Südosten, ausführlichbeschrieben sind, gehen einleitend kurzgefaßte und sehr informative Darstellungenzur„ eindrucksvollen Leistung der ungarischen Keramikforschung“( I. Bauer-J. Naumann- St. Baumeier), zum kulturellen Stellenwert und der historischenBedeutung von Volkskeramik überhaupt( Tamás Hoffmann, Budapest) sowie zurGeschichte der Keramiksammlung und-forschung am zentralen EthnographischenMuseum in Budapest voran. Hier hat man ja nicht nur seit der Wiener Weltausstel-lung von 1873 umfassend gesammelt und zählt heute über 20.000 keramischeObjekte, sondern frühzeitig auch intensive Feldforschungen betrieben, die Samm-
282