wie schwer das Leben der Holzknechte war, mit einer gewissen Sensationslust. Viel-leicht tue ich den Lesern dieser Bücher unrecht, aber das Überangebot an„ Lebens-erinnerungen armer Leute" muß irgendwann abstumpfen, zeichnet nur ein neuesKlischeebild.
Barbara Waẞ möge mir verzeihen, daß ich gerade an ihr Buch diese Vielzahl vonprinzipiellen Überlegungen geknüpft habe, die, das möchte ich noch einmal versi-chern, nichts mit dieser Publikation im speziellen zu tun haben. Die Autorin hat sichnicht beschränkt, Familienerinnerungen aufzuarbeiten, sondern hat darüber hinausversucht, festzuhalten, was andere in dieser Zeit unter ähnlichen Umständen erlebtund getan haben. Ein großes Feld liegt vor uns( der Volkskunde und der Sozial-geschichte), damit eben so wenig als möglich verlorengeht. Viele Berufsstände undLebensformen haben in den letzten Jahren aufgehört zu existieren oder sich grund-legend verändert, die Möglichkeiten ihnen nachzufragen, werden immer geringer,vieles ist schon in Vergessenheit geraten, vieles wird es bald sein. Es ist der Wissen-schaft und allen Interessierten zu wünschen, daß noch viele Frauen( und Männer)sich wie Barbara Waß der Aufsammlung kleiner Teilchen der Geschichte des Alltagsfrüherer Zeiten widmen, denn nur aus diesen Steinchen kann ein Bild entstehen, dasüber die Aufzählung von Daten und Fakten hinausgeht, das zeigt, wie Menschenwirklich gelebt haben, was sie dachten und fühlten, nur so kann man die eigene Ent-wicklung verstehen und akzeptieren.
Eva Kausel
Hermann Steininger, Die münzdatierte Keramik in Österreich. 12. bis 18.Jahrhundert. Fundkatalog. Wien, VWGÖ, 1895, 166( 1) Seiten, 60 Abb., 2 Falt-
karten.
Münzdatierte Keramik zählt neben den ohnehin seltenen absolut datiertenGefäßen unbezweifelbar zu den wichtigsten Säulen einer chronologiebezogenenKeramikforschung. Daran ändern auch wiederholt geäußerte Einwände zur Zuver-lässigkeit der Quellengattung„ Münzdatierte Keramik“ wenig(„ Sparbüchsenver-wendung" mit entsprechend hohem Alter des Bergegefäßes; Probleme der formalenbzw. individuellen Lebensdauer besonders der häufig gefundenen GrundformenTopf- Krug- Kanne usw.; zu geringe Berücksichtigung der erhaltenen Münz-reihen, die wichtige zusätzliche Hinweise zur Nutzungsdauer des Gefäßes vermittelnkönnen).
Glücklich die Keramikforschung eines Landes, wo ein einzelner- von einschlägi-gen Team- oder Institutionsunternehmungen wurde noch nichts bekannt- die lan-gen Jahre des mühseligen Sammelns der verstreuten Hinweise und des Suchens nachaus Desinteresse und Nachlässigkeit verlorengegangenen münzdatierten Gefäßenauf sich nimmt und zusätzlich ein uneigennütziger Geldgeber die Edition sichert.Weite Gebiete sind ohne derartige segensreiche Kompilationen. Im benachbartenSüddeutschland gibt es wohl in einigen größeren Beiträgen zur mittelalterlichenKeramik( U. Lobbedey, 1968; G. Hauser, 1984), jeweils regionalbezogene kleinereAbschnitte, doch fehlt die dringend benötigte größere Übersicht. Nun erschienenjüngst zumindest für geographisch angrenzende Länder zwei wichtige einschlägigeKompendien zu diesen speziellen Keramikfunden( H. Stoll für das Gebiet der DDRund H. Steiningers ,, Münzdatierte Keramik in Österreich").
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