Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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wie sie Antun Radić( 1868-1919) im Jahre 1897 im Auftrag der JugoslawischenAkademie der Wissenschaften" in Weiterführung französischer( Académie celtiquezu Paris unter Napoleon) wie deutsch- österreichischer( man denke an ErzherzogJohanns Pläne zur Landesaufnahme 1811-1840!) Fragensysteme erstellt hatte. EinForschungs- Desiderat!

Das Buch von Frau Mara Hećimović- Seselja, die als Gymnasialprofessor inKroatien wirkt, bringt zu den im Druck nicht sonderlich guten Dokumentarbildernund den um so besser gelungenen Zeichnungen ein ausführliches Glossar zu Namen,Gegenständen, Begriffen( 223–238). Aber es bleibt dem Rezensenten, der selberan so manchen Feldforschungen in Südosteuropa beteiligt war, als Alleingänger undauch in studentischen und anderen Gruppen, nur das Bedauern, daß keine Zusam-menfassung in einer Weltsprache beigegeben ist, die auch jenen Einblick und Anre-gungen geben könnte, für die das so sehr traditionsreiche und gegenwärtig in somächtigem Umbruch befindliche Südosteuropa schon wegen der Sprachbarrierenimmer noch eine terra incognita trotz allen Strebens nach einer Ethnologia Europaeableibt.

Leopold Kretzenbacher

Heinz Hengst( Hg.), Kindheit in Europa. Zwischen Spielplatz und Computer(= edition suhrkamp, N.F. Nr. 209). Frankfurt/ Main, Suhrkamp, 1985.

Der soziologisch- pädagogisch orientierte Sammelband ist für Volkskundler allen-falls Hintergrundlesestoff zu gewissen Aspekten der Kinderkultur. Er enthält Bei-träge über folgende Länder: Frankreich, Italien, England und Wales( nicht Großbri-tannien, wie der Titel des entsprechenden Aufsatzes vorgibt), Schweden, Deutsch-land( Bundesrepublik, DDR und eine separate Studie über Migrationskindheit inWestdeutschland), die Niederlande, Dänemark sowie einen theoretischen AufrißHengsts über Perspektiven einer subjektiv orientierten Kinderkulturforschung.

Zunächst einmal ist festzustellen, daß Europa für den Herausgeber offensichtlichan der bundesrepublikanisch- österreichischen Grenze endet. Was nun über die ein-zelnen Teile dieses so unvermutet geschrumpften Europas gesagt wird, nimmt dieunterschiedlichsten Schwerpunktsetzungen im Objektbereich vor und reichtstilistisch von der wissenschaftlichen, faktenreichen Studie( z. B. Frankreich undGroßbritannien) bis hin zum locker spekulierenden Essay. Man gewinnt also allen-falls Einblicke, keinesfalls einen Überblick, obwohl tendenziell die fremdbestimmteKindheit in Westeuropa- bis in die Vorschul- und Schulorganisation hinein- eineerstaunliche Parallelentwicklung aufzuweisen scheint. Es überwiegen Auseinander-setzungen mit herkömmlichen Sozialisationsfeldern und-instanzen. Im Mittelpunktsteht- eher positivistisch- eine Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Rahmen-bedingungen mit dem Fazit, daß das soziale und kulturelle Milieu der Industrielän-der den Bedürfnissen der Kinder nicht entspricht- Kindheitskritik formuliert alsGesellschaftskritik. Was allerdings die Bedürfnisse der Kinder sind, wie ihre autoch-thone, durchaus vorhandene Kultur aussieht, davon scheinen die Autoren undAutorenkollektive, die zu diesem Band beigetragen haben( und das kann man wirk-lich nur salopp ausdrücken), keinen blassen Dunst zu haben; mit einer Ausnahmeallerdings: der Beitrag der Niederländer Ton Beekman, Hans Bleeker und KarelMulderij. Diese drei, die in Teamarbeit ein Projekt durchführen, sind fähig,

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