Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Bd. 57, Wien 1954). Nebst mehreren Fachaufsätzen wurde hier die Doktorarbeit vonG. Mester- Mahler( Bräuche und Sitten der denkwürdigen Tage bei den ElekerDeutschen, 1976, 171 S., Handschrift) verfaßt. Seit 1975 wird eine eigene Publi-kation- Beiträge zur Volkskunde der Ungarndeutschen herausgegeben;K. Manherz informiert uns ausführlich über den Inhalt( Volkslied, Märchen,Brauch, Tracht, Nahrung, Töpferei usw.) der bisher erschienenen Hefte. Es sei auchnicht verschwiegen, daß die deutschen volkskundlichen Forschungen in Ungarn einehochbedeutende Inspiration von Ingeborg Weber- Kellerman erhielten, die inUngarn wiederholt Forschungen unternahm. Ihren Spuren folgt B. Andrásfalvy, derdem Unterschied, der Ähnlichkeit und den Verbindungen zwischen der deutschenund der ungarischen Lebensform( Komitat Baranya) mehrere Abhandlungen wid-mete. Kurz werden die ethnischen Gruppen der Ungarndeutschen erwähnt, Einzel-heiten des Blochziehens, der Faschings- und Weihnachtsbräuche sowie Ausschnitteaus Märchen und Volksliedern präsentiert. Der Band wird durch eine kurze Biblio-graphie und ein- unvollständiges Verzeichnis der einschlägigen Doktorarbeitenund Fachaufsätze ergänzt. K. Manherz läßt allerdings die hervorragende Tätigkeitdes in Ödenburg wirkenden R. Bünker unerwähnt. Er nennt zwar das Buch vonG. Bruckner über das Zipserland, nicht aber die grundlegenden Werke von J. Gréb( Zipser Volkskunde, Käsmark- Reichenberg 1943; Zipser Volkspflanzen, Käsmark1943). Auch das wichtige Buch von A. Tafferner( Donauschwäbische Wissenschaft,I. Teil, München 1974) hätte er nicht übergehen sollen.

Béla Gunda

Dalla Stadura al Museo; un'esperienza alla base della nuovamuseografia rurale. 20 anni di attività del Gruppo della Stadura. Bologna1985, 262 Seiten.

Wird in Italien aber auch international über Agrarmuseen diskutiert, dann fälltschnell als ein geglücktes Vorbild das Museo della civiltà contadina" in San Marinodi Bentivoglio bei Bologna. Ein Grund dafür ist, daß das Museum nicht von Wissen-schaftlern oder von einem kulturellen Zentrum gegründet wurde, sondern seine Ent-stehung einer Bewegung von unten, von ehemaligen und noch tätigen Bauern oderLandarbeitern verdankt. Das Museum ist, wenn man will, Ausdruck einer spezifi-schen, kämpferischen Volkskultur, ebenso wie das nun erschienene Buch, das wedereine ethnographische Studie noch eine wissenschaftliche Publikation ist. ¹) Vielmehrwerden die in 20 Jahren gesammelten Erfahrungen der Initiatoren, der Gruppodella Stadura", dokumentiert und für Gruppen in anderen Regionen zur Verfügunggestellt.

Die Stadura" als Namensgeber der Gruppe ist ein Bremsklotz auf der Deichsel,der das Joch blockiert und damit verhindert, daß der Karren die Beine der Zug-ochsen verletzt. Sie wurde aber mit dem Aufkommen von Traktoren zum Symboldes Verschwindens einer agrarischen Produktions- und Lebensweise, die durch diegroßen sozioökonomischen Transformationen in der mittelitalienischen Landwirt-schaft der fünfziger und sechziger Jahre hervorgerufen wurde. Bauern und Land-arbeiter wanderten in die Industrie ab, die case coloniche( Kolonen- Häuser)wurden abgerissen, eine Region drohte einen Teil ihrer kulturellen Identität, ihrerGeschichte zu verlieren. Die Stadura" wurde aber in den frühen sechziger Jahrenauch zum Zeichen eines kulturellen Aufbruchs. Sie stand am Anfang einer Samm-

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