Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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kulturell wirksam sind, hier: eine Wohnungsbaupolitik, die Funktionalität und,, Ordnung" zu Maßstäben erklärt und so, weite Teile der Bevölkerung in Zwangs-wohnweisen drängt und sie um eigenständige Wohnkultur bringt".

,, Die Gegenwart ist schwer zu bewältigen, auch für die Volkskunde"- dieses Zitatvon O. Bockhorn hätte auch über den Gedanken stehen können, die M. Scharfe zurEinleitung der Abschlußdiskussion vortrug. Sie machen den letzten Beitrag desBuches aus. Scharfe setzt in seinen sieben Punkten den Akzent nur geringfügiganders: ,, Welche Schwierigkeiten haben wir mit unserer Gegenwartsvolkskunde?"Eine der Hauptschwierigkeiten hatte er selbst zur hörbaren Erleichterung derTeilnehmer schon zu Beginn der Tagung gelöst( oder vielleicht doch nicht?): Volks-kunde sei, sagte er in der Diskussion seines eigenen Referates, was VolkskundlerW. D. Könenkamp

tun.

Ion Taloş( Hg.), Anuarul de Folclor, Bde. I, II und III- IV. Cluj- Napoca( Klausenburg), Babeş- Bolyai- Universität, 1980, 1981, 1983. 263, 368, 423 Seiten.Unter dem Titel Anuarul arhivei de folclor erschien in den Jahren 1932 bis 1945 inKlausenburg eine bedeutungsvolle rumänische Zeitschrift, herausgegeben vonI. Muşlea. Anuarul de folclor ist ihre Fortsetzung. Dieses inhaltsreiche Jahrbuchumfaßt weite Gebiete der rumänischen Folklore. Wesentlich sind auch die darin ent-haltenen volkskundlichen Nachrichten und Buchbesprechungen. Freilich kann dieAufmerksamkeit hier nur auf einige Aufsätze der bisher erschienenen Bände I- IVgelenkt werden.

I. Muşlea überblickt seine eigene wissenschaftliche Tätigkeit( Bräuche, Balladen,Volkskunst usw.). I. Taloş, der ausgezeichnete Herausgeber, erörtert in seinenwertvollen Abhandlungen das rumänische Rätsel, die Miorița- Ballade( über denguten Hirten, der seine Schäflein hütet) sowie die in der Ballade erhalten gebliebe-nen Bestattungsbräuche. Weitere Aufsätze können wir lesen über die rituelle Funk-tion der Märchen( I. Cuceu), die Beziehungen zwischen den rumänischen, sächsi-schen und ungarischen Schwänken( H. Markel, G. Vöö), die Weihnachts- und Neu-jahrsbräuche( P. Caraman), die Riten des ersten Pflügens( T. Gherman), der Flur-beschwörung und des Ackerbaues( I. und M. Cuceu). A. Fochi widmet einen Auf-satz der Struktur und Chronologie der epischen Dichtung, einen anderen den byzan-tinischen Beziehungen der rumänischen Folklore. N. Bot behandelt Alter undBedeutung der Bestattungsriten, hauptsächlich auf Grund des Speiseopfers, der See-lenwanderung und der Hochzeit des ledigen Toten. Unter Beachtung der Musikfolk-lore zeichnet C. D. Georgescu die rumänischen Folklorelandschaften auf. Derdudelsackspielende Puppenspieler ist das Thema der Arbeit von I. Herţea. Vonbahnbrechender Bedeutung ist die Abhandlung von G. Vöö und L. Iştoc über dieKulturökologie der historischen Sagen und Mythen, die mit der Torda- Klamm( süd-lich von Klausenburg) verbunden sind. Es gereicht dem Rezensenten zur besonde-ren Freude, daß sich G. Vöö mit diesem Thema auf seinen Vorschlag zu beschäf-tigen begann. Einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der deutschen Volkskundestellen die beiden Aufsätze von H. Markel dar, die uns mit den siebenbürgischensächsischen Folkloreforschungen von J. Haltrich sowie mit anderen hervorragendensächsischen Folkloristen des 19. Jahrhunderts( J. K. Schuller, F. W. Schuster,

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