Literatur der Volkskunde
Klaus Beit( Hg.), Probleme der Gegenwartsvolkskunde. Referate derÖsterreichischen Volkskundetagung 1983 in Mattersburg( Burgenland). Im Auf-trag des Vereins für Volkskunde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gegen-wartsvolkskunde der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und demÖsterreichischen Fachverband für Volkskunde, herausgegeben von Klaus Beitl,redigiert von Gertraud Liesenfeld. Wien, Verein für Volkskunde, 1985, 353 Sei-ten, 5 Textabb., 4 Arbeitsskizzen, 7 Pläne, 11 Fotos auf Tafeln.
Die Österreichische Volkskundetagung 1983, deren Referate im vorliegendenBand gesammelt sind, fand in Mattersburg auf Einladung des dortigen Instituts fürGegenwartsvolkskunde der Österreichischen Akademie der Wissenschaften statt;Schauplatz und Thema der Tagung waren so adäquat gewählt.
Das eigentlich einleitende Referat hielt Klaus Beitl, obwohl es in der Folge derVorträge erst an zweiter Stelle stand. Da es Grundsätzliches ansprach(„ Gegen-wartsvolkskunde. Arbeitsfeld und Methoden"), sei es hier voran placiert.
Ausgehend von einem Begriff von Volkskunde als einer ,, deutlich- sozialgeschicht-lich orientierten Disziplin mit starken Tendenzen zur empirischen Sozialforschung"gibt Beitl einen wissenschaftsgeschichtlichen Überblick über das nie konstante Ver-hältnis zwischen historischer und gegenwartsbezogener Forschung. Ausführlichwendet er sich dabei der französischen Volkskunde und hier besonders dem vorallem seine Gegenwart erforschenden A. van Gennep zu.
Das Arbeitsfeld der Gegenwartsvolkskunde definiert Beitl mit Leopold Schmidt.Ihm setzt sie mit den Umwälzungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein:,, Damals hat sich die traditionelle Volkswelt in jener Weise zu wandeln begonnen,die in ihrem Umfang und in ihren einzelnen Kennzeichnungen etwa ein halbes Jahr-hundert später erst erkennbar" wurde und wird. Zur Definition von„ Gegenwart“scheint mir dieser Satz freilich nicht geeignet, weil er nicht nur unscharf, sondernsogar unrichtig ist, denn er erklärt diese Art kulturellen Wandels zum Kind des 20.Jahrhunderts. Nun ist zwar einleuchtend, daß die Kategorie„ Gegenwart“ in derBezeichnung des Arbeitsfeldes nach Begrenzung heischt, das muẞ jedoch nichtzwangsläufig eine zeitliche sein, wie hier und von manchen anderen Referenten derTagung vorgebracht wurde. Viel Energie wurde darauf verwendet,„ Gegenwart"über Daten zu fixieren; die Vorschläge überzeugen jedoch nur wenig und erinnernhäufig an Zahlenmystik( 1918, 1945,„ Jetztzeit“ u. ä.).
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