Führung. Man war im vergangenen Jahr in Winterthur übereingekommen, sich 1986in Salzburg wieder zu versammeln. Professor Dr. Peter Putzer( Salzburg) hattebereits die Vorarbeiten hiezu geleistet, und so trafen sich rund 50 Interessierte ausder Schweiz, Österreich, Deutschland und den Niederlanden zum jährlichen Mei-nungsaustausch und zur Gründung einer Internationalen Gesellschaft für RechtlicheVolkskunde. Zu deren Vorsitzenden wurde Louis Carlen( Freiburg i. Ue.) einstim-mig gewählt. Neben anderen Wissenschaftlern, welche auch den französich- unditalienischsprechenden Teil des Arbeitskreises repräsentieren sollen, wurden in denVorstand berufen: Prof. Dr. Nikolaus Grass( Innsbruck), Prof. Dr. Hermann Baltlund Prof. Dr. Gernot Kocher( beide Graz) sowie Prof. Dr. Peter Putzer( Salzburg).Man beschloẞ, sich der Schweizer Geisteswissenschaftlichen Gesellschaft an-zuschließen, im übrigen aber in der bisherigen Form mit jährlich einer Wochenend-tagung weiterzuarbeiten.
Das Rahmenprogramm sah drei vorzügliche Vorträge zu unterschiedlichen The-men vor. Peter Putzer zeichnete ein kulturhistorisches Bild des Fürstbistums undnachmaligen Kronlandes. Andrea Lanzer( Graz) wertete in ihrem Vortrag ,, Rechtli-cher Alltag in den deutschen Holzschnitten des 15. und 16. Jahrhunderts" vor allemHolzschnitte Albrecht Dürers aus, der neben seinen großen Holzschnittfolgen auchjuristische Literatur, wie etwa den Klagspiegel, illustriert hat und dabei erstaunlicheDetailgenauigkeit zeigt. Dem Haustier, welches keinem gehört, galten die Ausfüh-rungen von Max A. Nentwig( Bremen) zum Thema„ Die Biene im Recht", dem auchdas Handwörterbuch zur Deutschen Rechtsgeschichte einen allerdings sehr kursori-schen Abschnitt widmet. Das Recht der Bienenhaltung, Störungen durch Bienen,das Recht der Aneignung, ein eigenes Bienengericht u. a. waren einige Streiflichterdes überaus interessanten Beitrags.
Nach einem Besuch des Salzburger Landesinstituts für Volkskunde, der Richard-Wolfram- Forschungsstelle, am Samstag, standen am Sonntag noch der Besuch desMonatsschlössels in Hellbrunn mit seiner volkskundlichen Sammlung sowie des Salz-burger Freilichtmuseums in Großgmain auf dem Programm, jeweils unter fachkun-diger Führung von Frau Senatsrat Dr. Prodinger, der langjährigen Betreuerin derSammlung, und Hofrat Dr. Conrad, dem Gründer des Freilichtmuseums. Leiderstellten sich dann in Großgmain wolkenbruchartige Regenfälle ein, die manchendavon abhielten, die Schmuckstücke der Salzburger Volksarchitektur einem einge-henderen Studium zu unterziehen.
Für das nächste Jahr wurde ein Wochenende in Süddeutschland als Treffpunkt inAussicht genommen.
Herbert Schempf
Herder- Preis- Verleihung 1986 an Prof. Dr. Tékla Dömötör
Der 1963 von der Stiftung FVS zur Verfügung gestellte Gottfried- von- Herder-Preis wurde im Mai dieses Jahres an die international bekannte ungarische Volks-kundlerin Professor Tékla Dömötör, Korrespondierendes Mitglied des Vereins fürVolkskunde, vergeben. Der Preis ist laut Satzung„ der Pflege und Förderung der kul-turellen Beziehungen zu den ost- und südosteuropäischen Völkern gewidmet; mitihm können bis zu sieben Persönlichkeiten aus den entsprechenden Ländern ausge-zeichnet werden, die Hervorragendes in Schrifttum, Malerei, Musik, Bildhauerei,
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