Bericht über die 37. Tagung des Arbeitskreises für Hausforschungvom 9. bis 13. Juni 1986 in Münster in Westfalen
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Seit Mitte der siebziger Jahre laufen an der Westfälischen Wilhelms- Universität inMünster innerhalb des Sonderforschungsbereiches 164,, Vergleichende geschichtli-che Städteforschung" mehrere Projekte, die sich thematisch auf die Schwerpunkte:Raumgefüge Sozialstruktur Kultur Stadt- Land- Beziehungen und religiöseBewegung konzentrieren. Bei der 37. Tagung des Arbeitskreises für Hausforschungwurde das Projekt A4„ Städtisches Bauen und Wohnen im Spätmittelalter und derfrühen Neuzeit", das am Volkskundlichen Seminar Münster durchgeführt wird, prä-sentiert. Der Leiter dieses Projekts ist Prof. Dr. Günter Wiegelmann, bis 1977 wares der damalige Assistent am Volkskundlichen Seminar, Dr. Konrad Bedal.
Im Einführungsreferat stellte K. Bedal( Freilichtmuseum Bad Windsheim) die,, Geschichte und das Selbstverständnis des Forschungsprojekts A4" dar. In diesem,seit dem 1. Jänner 1976 offiziell laufenden und weitgehend abgeschlossenen Projekt,setzt man sich als Hauptziel, in ausgewählten Städten Nordwestdeutschlands undFrankens die bisher wenig geklärten Bau- und Wohnverhältnisse bei allen Sozial-schichten, zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert zu erforschen. K. Bedal verwiesdabei auf die Tatsache, daß die volkskundliche Hausforschung mit wenigen Ausnah-men bis zu diesem Projekt immer eine Sache von Einzelforschern war und es kaumauf Universitätsebene geförderte und von öffentlichen Stellen finanzierte wissen-schaftliche Projekte gab. Erst mit diesem Projekt ist es in Westfalen gelungen, einejunge Studentengeneration in die Hausforschung einzubeziehen und in diesem Sinneein hauskundliches Ausbildungsprojekt zu erhalten. So konnten manche Studentenauf Grund des Projekts ihre Magisterarbeiten und Dissertationen erarbeiten.K. Bedal gab weiter Einsicht in die Methoden des Projekts. In der ersten Phase stan-den die Bearbeitung archivalischer Quellen und die Bestandsaufnahme der erhalte-nen Bausubstanz in Franken und Westfalen, also intensive Bauuntersuchungen amObjekt, im Vordergrund. Die ersten Ergebnisse wurden 1978 in der Form eines vonK. Bedal angeregten Katalogs der Fachwerkbauten vor 1600 in Westfalen erfaßt.³)Die stark erweiterte Neubearbeitung des Katalogs, wo die neuesten Bestandsanaly-sen und Forschungsergebnisse miteinbezogen wurden, spiegeln die Fortschritte derHausforschung in den letzten acht Jahren in Westfalen wider.2)( Dieser Katalog istallerdings als Zwischenbericht über die Forschungsarbeit des Projekts anzusehen.Geplant ist ein ausführlicher Aufsatz- und Dokumentationsband zur Bau-, Raum-und Funktionsstruktur von Bürgerhäusern- Fachwerk- und Steinbau- vor 1650.)Bald darauf erfolgte die Bearbeitung der ausgewählten Städte. So liegen heute haus-kundliche Ortsmonographien über Hattingen, Lemgo, Lippstadt und Lüneburg vor,weitere sind in Bearbeitung. Die Liste der bisherigen Veröffentlichungen umfaßt 55Titel, 15 Arbeiten befinden sich im Druck, 11 in Bearbeitung.4) Was die Forschungs-methoden betrifft, hob K. Bedal in seinem Referat hervor, daß bei diesem Projektneben archivalischen Studien( Steuerlisten und Inventarauswertungen), der Gefüge-analyse und Erfassung der Umbauten zum ersten Mal in Westfalen die Dendrochro-nologie in der Hausforschung systematisch angewandt wurde. Dies brachte neueErgebnisse und Bewertungen. So zeigte sich deutlich, daß der mittelalterliche undfrühneuzeitliche Baubestand viel älter, wertvoller und umfassender ist, als manglaubte.5)
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