Chronik der Volkskunde
Kleidung- Mode- Tracht: Österreichische Volkskundetagungvom 26. bis 29. Mai 1986 in Lienz/ Osttirol
Das Thema der diesjährigen Volkskundetagung versprach, ein weites und interes-santes Forschungsspektrum zu beleuchten. Dementsprechend groß war auch dasEcho: 142 Teilnehmer aus fünf Nationen fanden sich in der Osttiroler Hauptstadtein. Schon aus dem Programm wurde jedoch ersichtlich, daß eine Balance zwischenden drei Begriffen( Kleidung Mode- Tracht) auf Grund des Übergewichts desletzten nicht gehalten werden konnte.
Im Eröffnungsreferat startete Wolfang Brückner( Würzburg) den Versuch, sichdem Phänomen Mode und Tracht zu nähern. Er verknüpfte sie durch eine gemein-same Entstehungszeit( 18. Jh.), die„ mit dem Ende der europäischen Gesellschafts-ordnung"( Zitat Brückner) zusammenfällt. Der Referent fordert, daß nicht Modeund Tracht, sondern Bekleidungsverhalten, das sich in sozialen Schichtenmodellenäußert und durch einen hohen Stellenwert bestimmt ist, von der Forschung unter-sucht werde.
Der erste Vormittagsblock war durch thematisch recht unterschiedliche Beiträgecharakterisiert: Zunächst referierte der Innsbrucker Emeritus Karl Ilg über„, wellen-förmige Bewegungen in Mode und Tracht“, eine Darstellung der historischen Ent-wicklung der Kleidung von den Römern und Germanen über Karl den Großen biszur erneuerten Tracht des 20. Jahrhunderts.
Nach ihm erklärte Franz Lipp( Linz), der seinen Vortrag als Beitrag eines Prakti-kers verstanden wissen wollte, mit konkreten Beispielen seinen Zugang zu Begrif-fen, wie Tracht, Trachtenmode, Modetrachten und Mode.
Margot Schindler( Wien) gab einen Überblick über rezente Diskussionen in derKleidungsforschung und berichtete von ihrer Arbeit an einer österreichischen Textil-und Trachtenbibliographie. Auf ihren Aufruf, Nachrichten über schwer zugängli-ches Material dem Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien zukommen zulassen, sei auch hier hingewiesen.
Den Abschluß des gedrängten Vormittagsprogramms gestaltete Roland Girtler( Wien), der durch Gewänder der Muße ein Funktionsäquivalent der Kleidung beiAdeligen, Zuhältern und Sandlern herstellte.
Theoretische Beschäftigungen mit der Thematik versprachen die Referate desNachmittags: Edith Hörandner( Wien) beschreibt die Kleidungsforschung als,, sowohl geschichtlich orientierte als auch gegenwartsbezogene Kulturforschung":
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