schlußreich sind auch die Überlegungen zur Verwendung von mündlichen, schriftli-chen und fotografischen Quellen, deren Bedeutung für die anthropologische For-schung und den museologischen Gebrauch erläutert und durch zwei Fragebögen fürden Jahres- und Lebenszyklus ergänzt werden. Dies gilt gleichermaßen auch für dieVorschläge zur Registrierung und Verzettelung der Objekte( mit Beispielen für,, Schede oggettuali"), die auch so erfolgen soll, daß sie vom Besucher und Interes-senten etwa mit Hilfe von Mikrocomputern abgefragt werden können und somitergänzende Informationen schnell zu bekommen sind.
Bronzini konnte diese Überlegungen durch seine Mitarbeit am„ Museo delle artie tradizioni del Gargano“ präzisieren, an dessen Aufbau er entscheidend beteiligtwar. Im Buch sind dementsprechend die Raumplanung, die Aufteilung und die Kon-zeption ausführlich wiedergegeben.
,, Homo Laborans" ist schon wegen dieser Vielfalt lesenswert. Es ist eine Standort-bestimmung der italienischen Volkskunde und gleichzeitig eine Dokumentationeiner Museumsdiskussion, die auch nördlich der Alpen interessant sein dürfte.Bleibt nur noch hinzuzufügen, daß auch in der von Bronzini herausgegebenen Zeit-schrift ,, LARES, Rivista trimestrale di studi demo- etnoantropologici“ 1985/3 diesesThema weiterbehandelt wird.
Reinhard Johler
Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und verglei-chenden Erzählforschung. Herausgegeben von Kurt Ranke und anderen. Berlin- New York, Walter de Gruyter, 1984, 4. Band, XVI, 1439 S.
Mit bewundernswerter Regelmäßigkeit erscheinen die Lieferungen der EM, vonder nun bereits vier Bände vorliegen. Mehr und mehr entwickelt sich dieses Lexikonzum Standardwerk nicht nur der Erzählforschung, sondern auch anderer geisteswis-senschaftlicher Disziplinen.
Der vierte Band(„, Ente“ bis„ Formelhaftigkeit“) enthält wieder eine Reihe grund-sätzlicher Artikel, die weit über den engeren Bereich der Erzählforschung hinaus-greifen. Zu erwähnen ist der Artikel„ Entmythisierung“, der geistesgeschichtlicheEntwicklungen und interkulturelle Phänomene des Mythischen unter dem Aspektder Aufklärung behandelt und die Fragen nach dem Zusammenhang von Mythosund Narrativität stellt. Hervorzuheben sind auch die gattungstypologischen Artikel( Epos, Exemplum, Fabel, Fastnachtsspiel, Fazetie), die jeweils ausgehend von derGattungsproblematik, Strukturmerkmale sowie Quellen, Überlieferung undmoderne Ausformungen kritisch referieren. In einigen Fällen( Exempelsammlun-gen, Fabelbücher) werden die Quellen in gesonderten Artikeln behandelt oderbestimmte„, kanonisierte“ Begriffe, wie„ epische Gesetze", werden in eigenen Arti-keln dargestellt. Von grundlegender Bedeutung sind auch die Artikel„ Erzählen,Erzähler“ und„ Erzählforschung", die dem Leser vor allem einen historischen undwissenschaftsgeschichtlichen Überblick über die Entwicklung und den Stand derForschung vermitteln. Kulturhistorische, religionswissenschaftliche und anthropolo-gische Zusammenhänge zeigen Artikel wie„, Erlösung“ und„ Erotik" auf; über ihrestoff- und motivgeschichtliche Bedeutung im narrativen Bezug hinaus weisen sie aufeine neue kritische Betrachtungsweise der Probleme hin. Schließlich sei noch auf dieüberaus nützlichen Länderartikel( Esten, Finnland, Flamen) hingewiesen, die in
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