Was uns besonders berührt, ist die spürbare Liebe zur verlorenen alten Heimat.Zu beziehen ist das Buch vom Nordböhmen- Heimatwerk, Liebigstraße 38, 6000Frankfurt, um DM 21,-. Und durch das Niederösterreichische Heimatwerk, A- 1010Wien, Herrengasse 6, um S 150,-.
Helene Grünn
Maria Erlbacher, Überlieferte Strickmuster aus dem steirischenEnnstal(= Kleine Schriften des Landschaftsmuseums Schloß Trautenfels amSteiermärkischen Landesmuseum Joanneum, Heft 1, Heft 2, Heft 5, Hg. VolkerHänsel). Teil 1/1982, Teil 2/1983, Teil 3/1983. Liezen 1982/83. Je 72 Seiten, Foto-grafien von Karl Haiding, Ladislaus Seibetseder und dem Bild- und Tonarchiv amStmk. Landesmuseum Joanneum. Zahlreiche Musterzeichnungen von Maria Erl-bacher und Elisabeth Schneider.
Diese drei Strickmusterbücher wollen jene typischen, seit dem 19. Jahrhundertbesonders im Ennstal und im Ausseer Land gebräuchlichen Strickmuster, die soge-nannten„ Model“ oder„ Zugmaschenmodel“ erläutern und verbreiten. Diese spe-zielle Art der Musterung von Strickstücken fand über englische Exporte ab dem 18.Jahrhundert langsam Eingang in die Volkskunst der genannten Gebiete und ermög-lichte so eine Herstellung von Kleidungsstücken aus hauseigenen Produkten, direktim Hause. Anni Gamerith berichtet, daß noch in den ersten Jahrzehnten unseresJahrhunderts alte Bäuerinnen häufig über das Stricken von Socken und Hauben hin-aus keinerlei derartige Kenntnisse besaßen und sich solche„ neumodische" Dingeauch nicht aneignen wollten( Gamerith, Flachs und Wolle....[ Graz 1942/43], MS).Daß im bäuerlichen Bereich im 19. Jahrhundert genähte, also durch Ankauf oderStörarbeit erworbene Kleidungsstücke noch üblich waren, läßt sogar der volkstümli-che Ausdruck für Strickmuster,„ Model“, erkennen. War doch der Model jenerHolzleisten, jene Holzform, über die gewebte und genähte Strümpfe zum Zweck derFormgebung gespannt worden waren. Ebenso werden in den genannten Strick-musterbüchern bei den Anleitungen zum Strumpfstricken besondere Zusatzmuster,die ,, Wadenkeile", überliefert, durch deren Einfügung exakte, körpernahe Formenerzielt werden können.
Alle dem Buch zugrundeliegenden Muster und Gewandbeispiele stammen aus derSammlung des Landschaftsmuseums Schloß Trautenfels bzw. von überlieferten,, Modelflecken" aus Ennstaler Familien. Der Großteil dieser Muster wurde von The-kla Zeiler( 1883-1960), einer Sölktaler Magd und Taglöhnerin, in Musterstreifengesammelt und ab 1929 in Strickkursen weitergegeben.
Die Verfasserin der vorliegenden Musterbücher, Frau Schulrat Erlbacher, zeich-net nun seit Jahrzehnten die Muster der Thekla Zeiler und die Berichte über ihr Wir-ken auf. Seit Jahren ist auch sie im Ennstal als Leiterin von Strickkursen gefragt. Vorallem ist es Maria Erlbacher zu danken, daß sie jene Muster in einfachen und über-sichtlichen Mustervorlagen aufbereitet hat, die ein Nacharbeiten und somit eineWeitergabe der Muster ermöglichen. Zwei Versuche in dieser Richtung( HildegardRieger, Deutsche Strickkunst, 1944, und Ilse Schwer, Stricken heute, 1945 und 1969,Geleitwort von Hanns Koren) erfaßten an Hand von Modelbändern im SteirischenVolkskundemuseum bereits Muster dieser Art, fanden aber zu keiner einwandfreibenützbaren Strickschrift. Die Mustervorlagen der Maria Erlbacher stellen eine
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