leider vermiẞt. Für jene, die sich mit dem Thema Fischerei nur am Rande beschäfti-gen, sei abschließend auf den einleitenden Aufsatz von B. Gunda verwiesen, der insehr anschaulicher Weise einen wissenschaftsgeschichtlichen Abriß über die volks-kundliche Fischereiforschung gibt.
Gertraud Liesenfeld
Martha Bringemeier, Ein Modejournalist erlebt die FranzösischeRevolution(= Rheinisch- Westfälische Zeitschrift für Volkskunde, Beiheft 2).Bonn und Münster 1981, 276 Seiten, 16 Abb., Skizzen im Text.
,, Wer sich aber Klarheit verschaffen will über Gestalt und Sinn der Mode vonheute, kann nicht umhin, auf ihre Anfänge zurückzugreifen, das heißt, auf denUmbruch während der Französischen Revolution." Dieser ihrer Erkenntnis Rech-nung tragend und in einer Weiterführung der Feststellungen Julius Schwieterings,der in der Französischen Revolution das Auseinanderfallen der alten einheitlichenVolksgemeinschaft sieht, geht Martha Bringemeier den Revolutionsmoden auf den
Grund.
Quelle ihrer Forschungen ist das„ Journal der Moden"( 1786), das ab 1787( bis1812) als„, Journal des Luxus und der Moden"( danach unter wechselnden Bezeich-nungen bis 1827 als Kunst- und Gesellschaftsjournal) in Weimar erschien. DieBerichte wurden von einem als Korrespondent in Paris lebenden Journalisten ver-faßt, sie sind also Augenzeugenberichte und machten das Journal weit über Frank-reich hinaus zur„ Künderin und Wegbereiterin“ der Aufklärung. Da einerseits dieeinzelnen Ausgaben dieses Journals, vor allem aber die zu den Modeblättern gehöri-gen Texte nur schwer vollständig erreichbar sind, und da andererseits das Journal fürDeutschland( und Österreich) maßgebliche Quelle für jene Zeit ist, entschloß sichMartha Bringemeier, die Modeberichte bis 1793 in diesem Band vollständig zu ver-öffentlichen. Als Erweiterung wurden die Pariser Modemagazine der Madame Teil-lard und einzelne Pariser Affichen oder Flugblätter dem Journal gegenübergestellt.So kann das Buch für alle jene, die über Volkstracht und Mode arbeiten, als Quellen-ausgabe dienen. Ein Anhang mit einem kurzen Inhaltsverzeichnis der herausgegebe-nen Texte, eine Erklärung der zeit- und sachbezogenen Termini sowie ein reichhalti-ges Literaturverzeichnis verstärken den Tenor des Buches, Grundlage für weitereForschungen in dieser Richtung zu sein.
Ebenso grundlegend und wesentlich sind Bringemeiers Erkenntnisse, daß geradedas Kleidungswesen wandlungsfähiger ist als jedes andere Kulturgut und daß esbesonders genau alle Bewegungen des Geisteslebens darstellt. So erläutert sie, daßdurch die verschiedenen Weltbilder, Gemeinschaftsformen und Ziele, die Klei-dungssitten des Bauerntums und der anderen Stände mit der Revolutionszeit ausein-andergehen mußten, da sie doch jeweils Ausdruck verschiedenen Selbstverständnis-ses waren. Weiters geht die Verfasserin darauf ein, daß durch das Auseinanderfalleneiner ganzheitlichen Volksgemeinschaft in individuelle Gruppen, gerade im städti-schen Bereich, die Sehnsucht nach einer geordneten und überschaubaren Gemein-schaft bereits mit Ende des 18. Jahrhunderts wieder keimen mußte. Klar werden hierdie Voraussetzungen der frühesten Trachtenerneuerung bis zur modernen Folkloredargestellt und die Hintergründe aller Mißverständnisse und Begriffsverwirrungenaufgedeckt, denen das Wort„ Tracht“ bis heute ausgesetzt ist.
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