Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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35 Straßendörfern anführt, findet hier neben Flurkarten und Siedlungsplänen vor-zügliches Bildmaterial aus dem 19. Jahrhundert und aus der Gegenwart. Ihre Grund-struktur bildet die giebelseitige Stellung des niederdeutschen Hallenhauses, überdessen bauliche und räumliche Entwicklung vom Zweiständerhaus zum Vierständer-haus die zentralen Kapitel dieser schönen Schrift im Text wie in sehr klaren Plänenund Aufrissen bzw. Querschnitten Aufschlüsse geben. Aus größerer Distanz gese-hen, ergänzt Kulke mit seinen Mitarbeitern damit eine Lücke in der Hausforschungzwischen den Bemühungen Karl Baumgartens für Mecklenburg und Ostdeutschlandund den zahlreichen und intensiven Bauforschungen in Stadt und Land Westdeutsch-lands, das sonst ja von einer ungleich größeren Zahl von Fachleuten und Forschernvertreten wird.

Oskar Moser

Alfons Eggert/ Josef Schepers, Spieker- Bauernburgen- Kemenaten.Bäuerliche Speicherbauten im Münsterland: Ihre Bau-, Funktions- und Sozial-geschichte im europäischen Zusammenhang. Münster, Aschendorff( 1985),119 Seiten, 14+ 170 Abb. mit Rissen, Zeichnungen und zum Teil farbigenFotos.

Unter den ländlichen Wirtschaftsgebäuden haben Vorratshäuser und Speicher-bauten seit langem und allein schon durch ihre ganz spezifische und ausgeprägte bau-technische Ausführung und reiche architektonische Außengestaltung die Aufmerk-samkeit der Hausforschung auf sich gezogen. Dennoch wurde dabei fast immer ihreeigentliche und sehr differenzierte Sonderfunktion als Lagerbauten, namentlichderen oft komplizierte Funktionsstruktur gegenüber ihren baulichen Erscheinungenund Eigentümlichkeiten vernachlässigt oder nur wenig berücksichtigt. Dies gilt vorallem auch für die wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Hintergründe des Speicher-wesens in fast allen Regionen Europas, obschon es einleuchtet, daß gerade diesesmit seinen besonders gesicherten Lagerbauten und Vorratshäusern, die offenbarschon im 11. und 12. Jahrhundert stellenweise als Zufluchtsstätten und sogenannteFluchtspeicher mit Verteidigungscharakter erbaut und eingerichtet waren oder fürdie Versorgung großer Städte, wie etwa Lyon, angelegt wurden, besonders ausge-prägte Indikatoren eines streng geschichteten Sozial- und Gesellschaftssystems dar-stellen.

Das vorliegende Buch weist den Leser nach zweifacher Hinsicht in diese Richtungeiner differenzierten Geschichte des Speicherwesens im westfälischen Münsterland.Den neueren Verwendungszwecken und Gebrauchsformen münsterländischer Spei-cher als, vornehmsten Nebenbauten des Hofes geht Alfons Eggert, selbst Land-wirt, als Feldforscher und vortrefflicher Fotograf mit großem Eifer und spürbaremEngagement nach. Er zeigt nicht nur die jüngeren Bauvarianten und herkömmlichenBetriebsfunktionen neben allen Einrichtungen solcher Gebäude bis zur ,, Wannen-mühle", Dezimalwaage, zu Kornsäcken und Werkzeugen auf, er belebt sie gleichsamnochmals, obwohl sie heute in einer völlig gewandelten Agrar- und Wirtschaftsstruk-tur kaum noch in ihrem vollen Umfang gebraucht und instand gehalten werden.

Diesem der Gegenwartstopographie der Münsterländer Speicher gewidmeten Teilstellt nun Josef Schepers einen eigenen Abschnitt zur Münsterländischen Speicher-geschichte im europäischen Zusammenhang" voran, auf den wegen seiner

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