Neben dem Leprosenzug sind fünf Männer und Frauen beim Rei-gentanz. Schließlich soll noch das Haus mit dem gelben Giebelbehandelt werden( Abb. 8). An einem Fenster, eher einer Luke, istan einer Ecke ein Korb befestigt. E. Schutt- Kehm110) glaubt, daßman in Körben neben Fenstern in der kalten Jahreszeit Lebensmit-telvorräte frisch gehalten habe. Diese Art der Vorratshaltung in Er-mangelung eines Kühlschrankes, von Studenten und Studentinnenheutzutage wohl hie und da noch praktiziert, kann man in das16. Jahrhundert nicht transponieren. Bei der damaligen Vorrats-haltung wurden die großen Wintervorräte im Keller verwahrt.Fleisch und Gemüse wurden eingesalzen, gepökelt, geräuchertoder getrocknet. Es handelt sich vielmehr, wie an anderer Stellebereits dargelegt, um Nistkörbe für Vögel. Die ausgestopfte Figur,die auf einem Brett vor dem Giebelfenster angebracht ist, wird vonHaberlandt¹¹) zunächst als Kaminfeger gedeutet, der darüberspottet, daß das Reinemachen in diesem Haus„ ganz zu guterletzterst am Tag des festlichen Treibens anhub". Andererseits hält er dieFigur für einen Butzemann, den man der säumigen Wirtschaft hin-aufgesetzt habe. Schutt- Kehm¹12) kann mit dieser rätselhaftenFigur noch weniger anfangen, erkennt allerdings auch nicht, daß ander Mütze drei Hahnenfedern als Zierde angebracht sind, die siefür Hörner oder abstehende Mützenzipfel hält. Andere Deutun-gen, wie den„, fou de Paques" 113), einen Osternarren, lehnt sie mitRecht ab. Die Lösung des Rätsels scheint mir in Stade an der Unter-elbe zu finden zu sein. In dieser Stadt hatten 1550 fünfhundertExulanten aus Flandern und Wallonien Aufnahme gefunden, dieihre Heimat zur Zeit der spanischen Besetzung verlassen hatten. InStade spielt zur Fastenzeit eine Holzfigur in Landsknechtstrachteine Rolle. Diese Figur, Petermännchen oder Pieter Menkengenannt, wird zusammen mit grünen Tannenzweigen, einem Bier-busch, aus einer Giebelluke von„ Knechthausen“, zwei Häusern inder Bungenstraße, Nummer 20/22, hinausgehängt. Diese beidenHäuser, in denen sich eine Gastwirtschaft noch immer befindet,heißen ,, Knechthausen“ und waren das Haus der Brauerknechte,die nach einer Stader Ortssage das Recht haben, die Toten zuGrabe zu tragen. Noch heute sind acht Männer verschiedenerBerufe in Stade Sargträger, die bis 1969 in Knechthausen mit Eier-bier Fastnacht gefeiert haben. Das Eierbier wird mit Kräutern undGewürzen und geschlagenen Eiern bereitet. Sie halten auf einemBierfaß stehend Reden und feiern zünftig. Den Namen Petermänn-chen oder Peter Menken versucht man in Stade mit einer Lokalsagezu erklären, wonach ein Brauerknecht dieses Namens mit seinen
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