Der„ Kampf des Karnevals gegen dieFasten" von Pieter Bruegel d. Älteren
Volkskundlich- kulturhistorisch-medizingeschichtlich interpretiert
Von Marianne Rumpf
Das im Kunsthistorischen Museum in Wien befindliche Gemälde
von Pieter Bruegel d. Ä., das signiert und mit 1559 datiert ist, wirdals ,, Streit des Karnevals mit den Fasten" in der deutschsprachigenkunsthistorischen Literatur betitelt. Es ist auf Holz gemalt und hatdie Ausmaße 118 × 164,5 cm.¹) Das Gemälde ist vermutlichbereits von Carel van Mander beschrieben worden, wenn es dortheißt:„ Hy heeft oock gemact een Stuck, daer den Vasten teghenden Vastenavent stryt".2) Im Gegensatz zu anderen Bruegel- Bil-dern, wie zum Beispiel dem Sprichwörterbild oder dem von denKinderspielen, ist das Fastnachtsbild in der Literatur kaum einge-hend behandelt worden. In Bildbänden und wissenschaftlichenAbhandlungen wird das Bild meistens nur kurz beschrieben, wobeiauf Einzelheiten kaum eingegangen wird.³) Interpretationen sind inder Regel selten versucht worden. Auch seitens der Volkskunde hatman sich erstaunlicherweise kaum dieses Bildes angenommen,obgleich von dieser Seite Interpretationen geradezu herausfordernmüßten.
Arthur Haberlandt4) hat 1933 in der Zeitschrift für Volkskundedas Faschingsbild von Pieter Bruegel d. Ä. behandelt, Gils³) 1943und Gaignebet) 1972 interpretieren es volkskundlich. Schließlichhat sich Elke Schutt- Kehm) in ihrer Freiburger Dissertation mitdem Faschingsbild von Pieter Bruegel beschäftigt und versucht, den„ Kampf des Karnevals gegen die Fasten" als Quelle volkskund-
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