,, Froh und frei, all herbei, dreimal hoch
der erste Mai!"
Die sozialistischen Maifeiern in Vorarlbergzwischen Volks- und Arbeiterkultur
Von Reinhard Johler
I.
Schon ein knapper Blick in einschlägige Brauchbeschreibungen,Bibliographien und Heimatbücher genügt, um zu sehen, daß zumproletarischen 1. Mai nur kurze und im überwiegenden Falle keineBemerkungen zu finden sind. Dabei wären die Voraussetzungenfür eine Aufarbeitung nicht so ungünstig gewesen, gab es doch zweibedeutende Anreger, die zwar beide Wegweiser waren, letztlichaber wohl der wissenschaftlichen, österreichischen Volkskunde als,, Fremde" gegenüberstanden.
,, Und die Arbeiter haben den übrigen Ständen gezeigt, daß auchsie gesittete Menschen sind oder zu sein sich bestreben, und habensich gewiß die Sympathie vieler erworben, welche früher dem, vier-ten Stande abgeneigt gewesen sind." Es war dies kein Geringererals der steirische Schriftsteller Peter Rosegger, der so augenschein-lich erfreut seine Beobachtungen über die erste Maifeier der GrazerArbeiterbewegung niederschrieb. Die erwartete Sympathie bliebfreilich ebenso wie das Interesse der Volkskunde aus, die zwar seinezahlreichen Schilderungen zu beinahe jedem Teil des Kanons rezi-pierte¹) und er somit„, mehr als seine akademischen Zeitgenossender Volkskunde seiner Jahrzehnte einen neuen Weg gewiesen“hatte.) Hinweggesehen wurde allerdings über Roseggers Interesseund Engagement für die Arbeiter, der„, Grundfeste der Cultur", dienach seiner bemerkenswerten Einschätzung am 1. Mai versuchthatten, ihre gesellschaftliche Verortung darzustellen:„ Sie, die sich
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